Sehnsucht nach der eigenen Nation
摘要
In der spanischen Provinz Katalonien führte ein lange gehegter Wunsch nach Unabhängigkeit in den 2010er-Jahren zu einer Vielzahl großer Demonstrationen und politischer Aktionen. 2017 eskalierte die Situation, als das spanische Verfassungsgericht ein geplantes Referendum über die Autonomie für illegal erklärte. Das Resultat des Referendums war dennoch ein klares „Ja“ zur Unabhängigkeit. Vor diesem Hintergrund werden die Thesen der Protestforscherin Erica Chenoweth besprochen. Nach statistischer Auswertung hunderter politischer Kampagnen mit revolutionärem Anspruch ist es ihre These, dass Protestbewegungen vor allem dann erfolgreich sind, wenn sie sich der Gewaltfreiheit verschreiben. Sofern sich mindestens 3,5 % einer Bevölkerung an zivilem Widerstand beteiligten, werde ein Scheitern sehr unwahrscheinlich. Die Validität und Relevanz dieser Ergebnisse werden kritisch diskutiert, weil sie auf einer allzu selektiven Auswahl der einbezogenen Protestbewegungen zu basieren scheinen. Für ein weiteres Beispiel einer Autonomiebewegung blicken wir auf den Stadtstaat Hongkong. Im Jahr 2011 gründete Joshua Wong eine soziale Bewegung, um gegen eine geplante kommunistische Umschreibung der Schulbücher zu kämpfen. 2019 führte ein anti-demokratisches Gesetzesvorhaben zu neuen Demonstrationen. Während die Proteste zuvor Erfolge feierten, wurden sie nun gewaltsam niedergeschlagen.