Adornos „Negative Utopie“
摘要
Es war Adorno, der in seinen „Aufzeichnungen zu Kafka“ und im „Versuch, das Endspiel zu verstehen“ Umrisse einer modernen Ästhetik entwarf, die, wie gezeigt werden soll, aufs engste mit bestimmten Motiven seiner Theorie der Gesellschaft korrespondieren. Sie lebt von der Überzeugung, daß in authentischen Werken wie denen Kafkas oder Becketts an Erkenntnis über den inneren Zustand unserer Welt möglich wird, was von einer arbeitsteilig-spezialisierten Wissenschaft nicht mehr geleistet werden kann. Der Beitrag will nicht Adornos ästhetische Theorie rekonstruieren; erst recht nicht in einen Wettstreit mit literatursoziologischen Interpretationen Kafkas und Becketts treten. Vielmehr gilt es, den gesellschaftstheoretischen Hintergrund des Adornoschen Werkes ein wenig aufzuhellen, da es zur modernen Kunst und Ästhetik eine hohe Affinität aufweist. Es geht im folgenden darum, jenen Zusammenhängen nachzuspüren, die zwischen einigen zentralen Motiven in Adornos Gesellschaftstheorie und Tendenzen moderner Kunst bestehen. Zwar ist Adornos Denken leitmotivisch von bestimmten Argumentationsfiguren durchzogen, doch liegen die Bereiche, die es umspannt, so weit auseinander, daß kein Interpret sich mit ihnen allen im Ernst vertraut fühlen könnte.