In diesem Kapitel geht es um die künstlerische Seite Carl Schmitts. Kunst ist – nicht nur für Schmitt – ein Spiegel der Kultur einer Gesellschaft. Hier spielen vor allem Schmitts literarische Werke „Theodor Däublers ‚Nordlicht‘“ und „Hamlet oder Hekuba“ eine zentrale Rolle. Die Analyse des „Mythos Faust“ gibt zudem einen ersten Aufschluss über die Beziehung Schmitts zur Kunst. Dazu werden auch Schmitts verschlüsselte Tagebücher herangezogen, die erst seit kurzem publiziert und öffentlich zugänglich sind. Sein Stil ist eine zum Äußersten getriebene Sachlichkeit. Da die Tagebücher aber auch intimste Details aus Schmitts Leben enthalten, ist ihre Verwendung umstritten. Sind sie tatsächlich nur „Material“, um den Lebenskontext von Schmitts Denken und Schaffen besser zu verstehen? Um diese Frage beantworten zu können, werden auch die Tagebücher anderer Autoren dieser Zeit zum Vergleich herangezogen. In seiner Ästhetik versuchte Schmitt ein Gegengewicht zur allgemeinen Orientierungslosigkeit zu schaffen. Für ihn hatte Richard Wagners künstlerisches Werk und insbesondere die Wahn-Thematik eine große Bedeutung. Als (zeitweiliger) Cineast faszinierten ihn die ausdrucksstarken Stummfilme seiner Zeit, die den „sakralen Kern“ der Macht sichtbar werden ließen. Dazu gehörte für ihn auch die Theatralität der Macht. Eine spannungsreiche Freundschaft bestand zwischen Carl Schmitt und Ernst Jünger. Für Schmitts Schaffen kommt Musik, Malerei und Literatur geradezu leitmotivischer Charakter zu. Das gilt auch für die theologische Grundierung seiner Staatstheorie. Schmitt war mit Hugo Ball befreundet, dem Gründer des Dadaismus, der 1924 auch die erste Studie über Schmitt veröffentlicht hat. Die Zeitschrift „Hochland“ war damals das Zentralorgan der deutschen katholischen Erneuerungsbewegung. Schmitt publizierte darin sechs Aufsätze. Da der Referendardienst nicht besoldet wurde, musste sich Schmitt – zu seinem Leidwesen – bei dem Geheimrat Hugo am Zehnhoff als freier Mitarbeiter Geld verdienen. Gegen die quälende Angst suchte Schmitt geistigen Trost bei dem dänischen Philosophen Søren Kierkegaard.

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Carl Schmitt als Künstler

  • Rüdiger Voigt

摘要

In diesem Kapitel geht es um die künstlerische Seite Carl Schmitts. Kunst ist – nicht nur für Schmitt – ein Spiegel der Kultur einer Gesellschaft. Hier spielen vor allem Schmitts literarische Werke „Theodor Däublers ‚Nordlicht‘“ und „Hamlet oder Hekuba“ eine zentrale Rolle. Die Analyse des „Mythos Faust“ gibt zudem einen ersten Aufschluss über die Beziehung Schmitts zur Kunst. Dazu werden auch Schmitts verschlüsselte Tagebücher herangezogen, die erst seit kurzem publiziert und öffentlich zugänglich sind. Sein Stil ist eine zum Äußersten getriebene Sachlichkeit. Da die Tagebücher aber auch intimste Details aus Schmitts Leben enthalten, ist ihre Verwendung umstritten. Sind sie tatsächlich nur „Material“, um den Lebenskontext von Schmitts Denken und Schaffen besser zu verstehen? Um diese Frage beantworten zu können, werden auch die Tagebücher anderer Autoren dieser Zeit zum Vergleich herangezogen. In seiner Ästhetik versuchte Schmitt ein Gegengewicht zur allgemeinen Orientierungslosigkeit zu schaffen. Für ihn hatte Richard Wagners künstlerisches Werk und insbesondere die Wahn-Thematik eine große Bedeutung. Als (zeitweiliger) Cineast faszinierten ihn die ausdrucksstarken Stummfilme seiner Zeit, die den „sakralen Kern“ der Macht sichtbar werden ließen. Dazu gehörte für ihn auch die Theatralität der Macht. Eine spannungsreiche Freundschaft bestand zwischen Carl Schmitt und Ernst Jünger. Für Schmitts Schaffen kommt Musik, Malerei und Literatur geradezu leitmotivischer Charakter zu. Das gilt auch für die theologische Grundierung seiner Staatstheorie. Schmitt war mit Hugo Ball befreundet, dem Gründer des Dadaismus, der 1924 auch die erste Studie über Schmitt veröffentlicht hat. Die Zeitschrift „Hochland“ war damals das Zentralorgan der deutschen katholischen Erneuerungsbewegung. Schmitt publizierte darin sechs Aufsätze. Da der Referendardienst nicht besoldet wurde, musste sich Schmitt – zu seinem Leidwesen – bei dem Geheimrat Hugo am Zehnhoff als freier Mitarbeiter Geld verdienen. Gegen die quälende Angst suchte Schmitt geistigen Trost bei dem dänischen Philosophen Søren Kierkegaard.