Die Rückkehr des christlichen Abendlands? Parachristliche Identität und rechtsradikale Parteineigung in der westeuropäischen Öffentlichkeit
摘要
Seit etwa zehn Jahren durchläuft der Abendlandbegriff zumindest im deutschen Sprachraum eine eigentümliche Konjunktur seitens selbsternannter Verteidiger desselben am rechten Rand der Politik. Dies wird durch keine andere Bewegung so deutlich auf den Begriff gebracht wie von der 2014 gegründeten PEGIDA-Bewegung, welche den Schutz des Abendlandes in ihrer Selbstbezeichnung Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes programmatisch auf den Punkt brachte. In ihrem Positionspapier definiert die Bewegung das Abendland als (europäischen) christlich-jüdisch geprägten Kulturraum. Wieder einmal scheint es, als hinke Europa dem Trendsetter USA um mehr als 30 Jahre hinterher. Denn jenseits des Atlantiks zogen bereits seit Ende der siebziger Jahre die Bewegung der Christlichen Rechten und nachfolgende Bewegungen wie Pat Buchanans anti-Einwanderungs-Kampagne der 1990er-Jahre und die Tea Party ab 2010 ins Feld – und in die Republikanische Partei – um den europäischen christlichen Kern der USA gegen Liberalismus und Feminismus, Multikulturalismus und Migration aus nicht-europäischen Regionen zu verteidigen.