Fazit
摘要
Genauso wie in einigen Teilen der politischen Rechten mit der Rede von den „Globalisten“ sowie anderen Narrativen gegen Jüdinnen:Juden gerichtete Verschwörungstheorien verbreitet werden, existiert auch in Teilen der politischen Linken ein Antisemitismus zur umfassenden Welterklärung. Extreme Ausprägungen philosophischer Strömungen, wie die eng miteinander verwobenen Poststrukturalismus und Postkolonialismus, verleihen Halbwahrheiten und Falschdarstellungen intellektuelle Rückendeckung sowie eine scheinbar wissenschaftliche Grundlage. Dies, in Verbindung mit einem bei vielen Aktivist:innen anzutreffenden Mangel an Wissen zum Nahostkonflikt, dient der moralischen Skandalisierung und Instrumentalisierung. Ziele und Methoden islamistischer Akteure wie der Hamas finden dabei kaum bis keinen Eingang in die Argumentation. Dabei sind die postmodernen Ideen in Zusammenhang mit Israel schlichte Wiedergänger des marxistisch-leninistischen Antiimperialismus. Dichotome Freund-Feindkonstruktionen, die die Welt in Gut und Böse einteilen, leben in ihnen genauso fort wie eine verkürzte Kapitalismuskritik, die die Narrative des modernen Antisemitismus nutzt, den Kapitalismus jetzt aber mit Israel identifiziert. Teilen der radikalen Linken dient Israel bzw. der Zionismus als Chiffre für die westlich-liberale Welt und all der ihr zu Last gelegten Verfehlungen. Im Nahostkonflikt spitzt sich die explizite Klassenauseinandersetzung zu, die ansonsten nur abstrakt wahrgenommen wird – mit der Intifada als Fanal einer proletarischen Weltrevolution. Israelische Jüdinnen:Juden werden aufgrund antisemitischer Deutungsmuster als ideelle Exponenten der kapitalistischen Sphäre angesehen und oft als deren schlimmste Auswüchse – namentlich als Faschist:innen – verunglimpft. Bestimmte Teile der radikalen Linken gehen dazu Bündnisse mit islamistischen Akteur:innen ein, die ihren Werten ansonsten diametral entgegenstehen, mit denen sie bestimmte Feindbilder jedoch teilen, wie die mit dem Kapitalismus verknüpfte westliche Moderne. Der unter Islamist:innen weit verbreitete Antisemitismus (Kiefer 2025, S. 17) wird dabei in Kauf genommen oder geteilt. Dabei übernehmen sie auch Topoi des muslimischen Antisemitismus („Kindermörder Israel“), die wiederum Zerrbilder des christlichen Antijudaismus bzw. des modernen Antisemitismus sind. Sie machen sich zum Erfüllungsgehilfen reaktionärster islamistischer Theokraten oder instrumentalisieren diese. Das Schicksal der palästinensischen Bevölkerung hat dabei oft nur einen nachgeordneten emotional-instrumentellen, einen rein symbolischen Charakter.