Ausgehend von dem längst zum geflügelten Wort avancierten Erkenntnisanspruch des Goethe'schen Faust – er will begreifen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“! – verbindet das Lehrstück die naturphilosophische Weltsicht Platons mit der mathematischen Perspektive Euklids, um anhand von Betrachtungen der platonischen Körper dem Atomismus der griechischen Antike auf den Grund zu gehen. Nachdem die Körper mithilfe Euklids in ihrer Einzigartigkeit definiert und in vielfältigen Formeigenschaften untersucht sind, werden sie mit Platon als Urbilder der Atome in den ideengeschichtlichen Zusammenhang einer physikalischen Weltordnung gestellt, in dem sie mindestens für die nächsten zwei Jahrtausende – bis zu Johannes Keplers Mysterium Cosmographicum (1596) – in mehrerlei Hinsicht eine herausragende Rolle spielen sollten. Und sogar einigen seither aufgetretenen, prinzipiellen Korrekturnotwendigkeiten zum Trotz: Auch und gerade im Lichte bedeutender Entwicklungen der jüngeren Naturwissenschaftsgeschichte erweist sich am Ende Platons Kerngedanke, dass auf der Ebene der Elementarteilchen einfache geometrische Ordnungsmuster existieren, als ungeahnt tragfähig und modern.

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Die platonischen Körper

  • Bastian Hackler

摘要

Ausgehend von dem längst zum geflügelten Wort avancierten Erkenntnisanspruch des Goethe'schen Faust – er will begreifen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“! – verbindet das Lehrstück die naturphilosophische Weltsicht Platons mit der mathematischen Perspektive Euklids, um anhand von Betrachtungen der platonischen Körper dem Atomismus der griechischen Antike auf den Grund zu gehen. Nachdem die Körper mithilfe Euklids in ihrer Einzigartigkeit definiert und in vielfältigen Formeigenschaften untersucht sind, werden sie mit Platon als Urbilder der Atome in den ideengeschichtlichen Zusammenhang einer physikalischen Weltordnung gestellt, in dem sie mindestens für die nächsten zwei Jahrtausende – bis zu Johannes Keplers Mysterium Cosmographicum (1596) – in mehrerlei Hinsicht eine herausragende Rolle spielen sollten. Und sogar einigen seither aufgetretenen, prinzipiellen Korrekturnotwendigkeiten zum Trotz: Auch und gerade im Lichte bedeutender Entwicklungen der jüngeren Naturwissenschaftsgeschichte erweist sich am Ende Platons Kerngedanke, dass auf der Ebene der Elementarteilchen einfache geometrische Ordnungsmuster existieren, als ungeahnt tragfähig und modern.