Die Werke von Max Frisch (1911–1991) werden regelmäßig als Schullektüre verwendet. Eine herausragende Rolle in seinem Werk spielt die Frage nach der Identität, der Biographie – insbesondere im Wechselspiel der Zuschreibungen von außen und der Konstruktion aus dem Inneren. Dabei ist das Erzählen grundlegend, wie er 1960 in Unsere Gier nach Geschichten programmatisch festhält: „Alle Geschichten sind erfunden, Spiele der Einbildung, Entwürfe der Erfahrung, Bilder, wahr nur als Bilder. Jeder Mensch, nicht nur der Dichter, erfindet seine Geschichten – nur dass er sie, im Gegensatz zum Dichter, für sein Leben hält – anders bekommen wir unsere Erlebnismuster, unsere Ich-Erfahrung, nicht zu Gesicht.“ Frischs Roman Stiller von 1954 zeigt mustergültig auf, wie aus diesem Paradox eine Lebenserzählung entsteht. Das Lehrstück folgt der Frage: „Wie erzähle ich (mir und anderen), wer ich bin?“ Didaktisch wegweisend dabei ist Friedrich Dürrenmatts (1921–1990) kritische Einschätzung in Fragment einer Kritik: „Ohne Mitmachen ist der Stiller weder zu lesen noch zu begreifen.“ Also: Machen wir mit – in acht Stationen!

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Frischs „Stiller“

  • Stephan Schmidlin,
  • Michael Jänichen

摘要

Die Werke von Max Frisch (1911–1991) werden regelmäßig als Schullektüre verwendet. Eine herausragende Rolle in seinem Werk spielt die Frage nach der Identität, der Biographie – insbesondere im Wechselspiel der Zuschreibungen von außen und der Konstruktion aus dem Inneren. Dabei ist das Erzählen grundlegend, wie er 1960 in Unsere Gier nach Geschichten programmatisch festhält: „Alle Geschichten sind erfunden, Spiele der Einbildung, Entwürfe der Erfahrung, Bilder, wahr nur als Bilder. Jeder Mensch, nicht nur der Dichter, erfindet seine Geschichten – nur dass er sie, im Gegensatz zum Dichter, für sein Leben hält – anders bekommen wir unsere Erlebnismuster, unsere Ich-Erfahrung, nicht zu Gesicht.“ Frischs Roman Stiller von 1954 zeigt mustergültig auf, wie aus diesem Paradox eine Lebenserzählung entsteht. Das Lehrstück folgt der Frage: „Wie erzähle ich (mir und anderen), wer ich bin?“ Didaktisch wegweisend dabei ist Friedrich Dürrenmatts (1921–1990) kritische Einschätzung in Fragment einer Kritik: „Ohne Mitmachen ist der Stiller weder zu lesen noch zu begreifen.“ Also: Machen wir mit – in acht Stationen!