„Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über uns und das moralische Gesetz in uns“, stellt Immanuel Kant (1724–1804) im „Beschluß“ seiner Kritik der praktischen Vernunft (1788) fest und weist damit auch auf eine fundamentale Bedeutung der Himmelskunde für den Unterricht hin. Die Bewegungen der Himmelskörper gaben der Menschheit schon immer Orientierung, wann ein Fest gefeiert, die Steuer gezahlt, die Ernte eingebracht oder ein ferner Ort erreicht werden will. Als Protagonist dient diesem Lehrstück Eratosthenes von Kyrene (etwa 275–194 v. Chr.), der nicht nur die Geographie begründet, sondern auch den Erdumfang bemerkenswert genau bestimmt hat. Als Bibliothekar von Alexandria hat er Sternsagen gesammelt und wohl auch Gedichte zu Sternbildern verfasst. So verkörpert er auch jene zwei Seiten der Himmelskunde, die Adolph Diesterweg (1790–1866) und Martin Wagenschein (1896–1988) zufolge im Lehrgang untrennbar zusammengehören, die mathematische und die poetische: „Niemals sollte es [das Schulkind] sich gespalten fühlen, wenn es einmal astronomischen Schlüssen und astronautischen Demonstrationen nachgeht und es doch – zum Glück – nicht lassen kann, ein andermal Erfahrungen, Ahnungen, Gedichten sich zu öffnen“ (Wagenschein 2002, S. 163). – Das Lehrstück konzentriert sich während einer Spätsommernacht auf eine elementare, vorkopernikanische Himmelskunde sowie die Kugelgestalt der Erde und kommt ohne technische Hilfsmittel aus.

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Himmelsuhr und Erdglobus mit Eratosthenes

  • Michael Jänichen

摘要

„Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über uns und das moralische Gesetz in uns“, stellt Immanuel Kant (1724–1804) im „Beschluß“ seiner Kritik der praktischen Vernunft (1788) fest und weist damit auch auf eine fundamentale Bedeutung der Himmelskunde für den Unterricht hin. Die Bewegungen der Himmelskörper gaben der Menschheit schon immer Orientierung, wann ein Fest gefeiert, die Steuer gezahlt, die Ernte eingebracht oder ein ferner Ort erreicht werden will. Als Protagonist dient diesem Lehrstück Eratosthenes von Kyrene (etwa 275–194 v. Chr.), der nicht nur die Geographie begründet, sondern auch den Erdumfang bemerkenswert genau bestimmt hat. Als Bibliothekar von Alexandria hat er Sternsagen gesammelt und wohl auch Gedichte zu Sternbildern verfasst. So verkörpert er auch jene zwei Seiten der Himmelskunde, die Adolph Diesterweg (1790–1866) und Martin Wagenschein (1896–1988) zufolge im Lehrgang untrennbar zusammengehören, die mathematische und die poetische: „Niemals sollte es [das Schulkind] sich gespalten fühlen, wenn es einmal astronomischen Schlüssen und astronautischen Demonstrationen nachgeht und es doch – zum Glück – nicht lassen kann, ein andermal Erfahrungen, Ahnungen, Gedichten sich zu öffnen“ (Wagenschein 2002, S. 163). – Das Lehrstück konzentriert sich während einer Spätsommernacht auf eine elementare, vorkopernikanische Himmelskunde sowie die Kugelgestalt der Erde und kommt ohne technische Hilfsmittel aus.