WLB – zwischen Anspruch und Realität
摘要
Work-Life-Balance ist mittlerweile Standard in Leitbildern, Employer-Branding-Kampagnen und Führungsleitlinien der meisten Unternehmen. Sie gilt als Ausdruck einer mitarbeiterorientierten, zukunftsfähigen Unternehmenskultur und als Versprechen im Sinne von „Wer hier arbeitet, kann Beruf und Privatleben in Einklang bringen.“ Doch wie sieht der Alltag tatsächlich aus? Ein Blick in Studien sowie meine Erkenntnisse aus Gesprächen mit Führungskräften und Mitarbeitenden zeichnen ein anderes Bild! Viele, so scheint es, charakterisieren ihre Arbeitsrealität durch hohe Verdichtung, ständige Erreichbarkeit und volatile Grenzen zwischen Job und Freizeit. Digitalisierung „post Corona“ hat Flexibilität zwar möglich gemacht, aber gleichzeitig auch neue Formen der Dauerverfügbarkeit etabliert. So zieht Arbeit sich durch, in E-Mails am Abend, in spontanen Teams-Calls außerhalb der regulären Arbeitszeit wie auch in der impliziten und expliziten Erwartung, jederzeit ansprechbar zu sein und reagieren zu können. Dabei sind es nicht nur, wie vor allem in sozialen Medien propagiert, Strukturen und Führungskräfte, die diese Entgrenzung mitprägen. Mitarbeitende selbst tragen oft unbewusst zur Aufweichung der Grenzen bei. Ein zentraler Begriff dafür ist Grenzmoral, die vor allem zwei Ausprägungen haben kann.