Theoretische Treibhäuser
摘要
Es kann vermutet werden, dass die Ursache für den schleppenden Übersetzungsprozess von Wissen in Handeln in einer Verkennung der Praxis liegt. Reichen sich „Praxisfundamentalismus“ und „Theoriefatigue“ darin die Hände, so bedarf es eines methodischen Umdenkens, um die (theoriebildende) Praxis innerhalb von Systemen zu verändern. Theoretische Treibhäuser können als Antwort auf die Rede von „theoretischem Brachland“, den „langen Weg vom Wissen zum Handeln“ verkürzen, indem sie unsere Denkweise über die Systeme selbst, die Art und Weise der Wissensgenerierung darin sowie unsere je eigene Beteiligung am Wissenstransferprozess ändern. Systemisches Denken kann als Blaupause für das Einüben in solcherlei interprofessionelles und interdisziplinäres Arbeiten dienen. Auf Grundlage dieser Blaupause wird eine Kultivierung von Transformations- und Orientierungswissen als „praktische“ Antwort auf Praxisfundamentalismus und Theoriefatigue skizziert. Klinisches Philosophieren kann dann als die Praxis der Kultivierung systemisch-interdisziplinärer Grundhaltungen in klinischen Settings und klinischen Berufen verstanden werden, als das gemeinsame Einüben in einer inhärent interprofessionellen Haltung. Die Metapher von „theoretischen Treibhäusern“ stellt die Frage nach (systemischen) Bedingungen für derart interprofessionelles Lernen und interdisziplinäres Lehren. Das Schaffen von theoretischen Treibhäusern konkretisiert sich als Methode, Räume, Orte und Umgebungen zu schaffen und zu bewahren, in denen im Hegen, Pflegen und Hervorbringen fruchtbarer Theorie- und Praxiskulturen Weg und Ziel zusammenfallen.