In diesem Kapitel werden die bedeutsamsten Erwartungen als Beurteilungskriterien in den Gutachten herausgearbeitet. Die Erwartungen an die Unterrichtsplanung (Abschn. 9.1), an die Interaktion von LiV mit Schüler:innen (Abschn. 9.2) und auch an das Verhalten von LiV in Nachbesprechungen (Abschn. 9.3) heben darauf ab, erwünschtes Verhalten von Schüler:innen zu bewirken, wodurch implizit die konstitutive Ungewissheit der pädagogischen Situation bearbeitet wird. Erklärungen für die (ggf. unzureichende) Erfüllung dieser Erwartungen durch die LiV zielen im Falle der Unterrichtsplanung auf spezifische Wissenselemente und Fähigkeiten ab, umfassen im Falle der Interaktion aber vor allem Persönlichkeitseigenschaften. Darüber hinaus werden Belege dafür präsentiert, dass in den Gutachten mitunter umfassende Persönlichkeitsbilder entworfen werden und es sich um eine „Dauerbeurteilungspraxis“ handelt (Abschn. 9.4). Diese Persönlichkeitseigenschaften können schließlich als besonders entscheidend für die Bewertung rekonstruiert werden (Abschn. 9.5). Die Verwobenheit der Beurteilungskriterien mit mannigfaltigen Begründungs-, Legitimierungs- und Bewertungsmustern in Gutachtentexten wird exemplarisch illustriert (Abschn. 9.6). Zudem werden die rekonstruierten Muster zu einer übergreifenden Beurteilungslogik abstrahiert, die darauf beruht, dass situatives Verhalten von Schüler:innen vermittelt über die Beurteilungskriterien auf stabile Attribute von LiV – etwa Wissen, Fähigkeiten und Persönlichkeitseigenschaften – zurückgeführt wird (Abschn. 9.7).

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Kernbestandteile der Beurteilung: Erwartungen, Begründungs- und Legitimierungsmuster

  • Christoph Kruse

摘要

In diesem Kapitel werden die bedeutsamsten Erwartungen als Beurteilungskriterien in den Gutachten herausgearbeitet. Die Erwartungen an die Unterrichtsplanung (Abschn. 9.1), an die Interaktion von LiV mit Schüler:innen (Abschn. 9.2) und auch an das Verhalten von LiV in Nachbesprechungen (Abschn. 9.3) heben darauf ab, erwünschtes Verhalten von Schüler:innen zu bewirken, wodurch implizit die konstitutive Ungewissheit der pädagogischen Situation bearbeitet wird. Erklärungen für die (ggf. unzureichende) Erfüllung dieser Erwartungen durch die LiV zielen im Falle der Unterrichtsplanung auf spezifische Wissenselemente und Fähigkeiten ab, umfassen im Falle der Interaktion aber vor allem Persönlichkeitseigenschaften. Darüber hinaus werden Belege dafür präsentiert, dass in den Gutachten mitunter umfassende Persönlichkeitsbilder entworfen werden und es sich um eine „Dauerbeurteilungspraxis“ handelt (Abschn. 9.4). Diese Persönlichkeitseigenschaften können schließlich als besonders entscheidend für die Bewertung rekonstruiert werden (Abschn. 9.5). Die Verwobenheit der Beurteilungskriterien mit mannigfaltigen Begründungs-, Legitimierungs- und Bewertungsmustern in Gutachtentexten wird exemplarisch illustriert (Abschn. 9.6). Zudem werden die rekonstruierten Muster zu einer übergreifenden Beurteilungslogik abstrahiert, die darauf beruht, dass situatives Verhalten von Schüler:innen vermittelt über die Beurteilungskriterien auf stabile Attribute von LiV – etwa Wissen, Fähigkeiten und Persönlichkeitseigenschaften – zurückgeführt wird (Abschn. 9.7).