Terrestrisch werden! Transformatorische Bildung mit Bruno Latour
摘要
Der Beitrag thematisiert die weitreichende Forderung nach einer Bildung, die auf die dringlichsten Probleme unserer globalen Gesellschaft in der Gegenwart und der erwartbaren Zukunft reagiert. Der katastrophale Zustand der Erde kann nicht länger als etwas angesehen werden, das sich automatisch wieder verbessern wird. Der anthropogene Klimawandel, der nicht von anderen gesellschaftlichen Problemen getrennt werden kann, ist ein matter of concern – er ist ein Ding von Belang, das uns alle betrifft (Latour 2021, S. 19). Latour leugnet die Schreckensdiagnose nicht, und trotzdem geben seine Schriften Hoffnung. Wir fragen nach der Bedeutung seiner Überlegungen für Bildung: Wie kann eine terrestrische Bildung formuliert werden, die sich an Latours Denken orientiert? Wie wird die Ökologie zu einem der zentralen Bezugspunkte des Nachdenkens über Bildung? Wie können die „Bewohnbarkeitsbedingungen des Planeten“ (Latour & Schultz 2022, S. 26) gewahrt werden? Wir argumentieren, dass mit Latour ein transformatorisch-terrestrisches Bildungsverständnis vorstellbar wird: Bildung wäre als unabschließbarer Prozess zu denken, um „eine gemeinsame Welt zu bilden“ (Latour 2001, S. 18), in der nicht länger von getrennten Sphären des Menschlichen und des Natürlichen ausgegangen werden kann.