Mit Latour rechnen – Mathematiklernen in einer Welt der Dinge
摘要
Lernen im Mathematikunterricht ist ein sozialer Prozess, der von einem Spezifikum geprägt ist: Mathematische Begriffe und Kenntnisse sind abstrakter Natur, sie sind nicht empirisch fassbar und keinem Wahrnehmungskanal zugänglich. Mathematische Konzepte bedürfen einer Repräsentation, unser einziger Zugang zu ihnen sind Objekte, Zeichen und Wörter. Entsprechend groß ist die Bedeutung von Arbeitsmitteln und Materialien, von Tafel, Tablet und Papier, sowohl in der Unterrichtspraxis als auch in der mathematikdidaktischen Forschung. Doch welche Rolle spielen Objekte im Lernprozess? Latours Ansatz bietet einen soziologisch orientierten theoretischen Rahmen für oben beschriebene Eigentümlichkeit mathematischen Lernens. Latours Actor-Network-Theory folgend wird eine Erweiterung des Teilnehmerkreises der an der Hervorbringung sozialer Unterrichtswirklichkeit Beteiligten vorgenommen. Auch Objekte werden als Akteure in diesem sozialen Geschehen, in dem mathematisches Lernen stattfindet, akzeptiert. „Following the actors“ bewährt sich im Rahmen qualitativer Unterrichtsforschung auch empirisch. Im Beitrag werden entsprechende Befunde vorgestellt. Es zeigt sich: Man kann in der mathematikdidaktischen Forschung mit Latour rechnen.