Preaching to the choir: Über Bruno Latour als Erzähler
摘要
Was bei Jürgen Habermas oder Niklas Luhmann kaum einmal geschieht, ist bei Bruno Latour nicht ungewöhnlich: die narrative Dimension seines Werkes wird kommentiert. Und das durchweg anerkennend. Es wird die Rhetorik seiner Texte herausgestellt, der Einsatz von Metaphern und die Dramaturgie der Bücher. Mein Beitrag knüpft an diese Diskussion an und lenkt das Augenmerk auf die Erzeugung epistemischer Autorität. Ich interessiere mich also für die Schreibweisen Bruno Latours und rücke folgende Fragen ins Zentrum: Welche Form wissenschaftlicher Reflexivität wird von Latour praktiziert? Wie lässt sich der eigentümliche Sound seiner Schriften erklären? Wie die Gestalt und die Form seiner Texte? Was charakterisiert seine unterschiedlichen Erzählweisen, das scientific storytelling? Zu diesem Zweck lenke ich das Augenmerk auf Latours viel beachtete Studie „Reassembling the Social“. War ich von dieser Neubeschreibungen des Sozialen zunächst begeistert, als ich sie 2007 entdeckte, führte die Relektüre nun zu einem anderen Ergebnis. Die argumentativen wie auch die narrativen Verfahren überzeugten mich ungleich weniger. Was ich an Latours Versuch, eine performative Soziologie zu entwickeln, für problematisch halte, suche ich im Folgenden näher zu erläutern. Dessen Kombination einer Rhetorik der Ganzheit mit einem holistischen Weltbild geht nicht nur mit paternalistischen Gesten und autoritären Anklängen einher; diese Schreibstrategie steht überdies in der Gefahr – so meine These –, die politischen Anliegen der Akteur-Netzwerk-Theorie zu konterkarieren.