Die Antwort auf die letzte Frage ist natürlich nein. Es gibt kurzfristige Schwankungen in den Einstellungen, Präferenzen und besonders wichtigen Themen der Bevölkerung, wie regelmäßig durchgeführte nationale und europäische Meinungsumfragen zeigen. Im Jahr 2023 sorgte die von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Auftrag gegebene „Mitte-Studie“ für Schlagzeilen, die einen dramatischen Anstieg rechtsextremer Einstellungen in der Bevölkerung im Vergleich zur letzten Erhebung im Jahr 2020 aufzeigte. Mehr als acht Prozent der Deutschen haben demnach ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild, wobei die Grauzone (Menschen die einzelne rechtsextreme Einstellungen teilen) noch größer ist. Über 16 Prozent der Befragten zeigten fremdenfeindliche Einstellungen, weitere 30 Prozent bewegten sich im Graubereich. Ohne die Ergebnisse in Frage stellen zu wollen, möchte ich darauf hinweisen, dass es bei Längsschnittuntersuchungen wie der Mitte-Studie, aber auch dem „Eurobarometer“ oder dem „World Values Survey“ immer wieder einzelne Ausreißerjahre gibt. Der Kulturforscher Christian Welzel beschreibt diese kurzfristigen Abweichungen oder Schwankungen innerhalb eines größeren, langfristigen Trends auch als „Epizyklen“, die den übergeordneten Trend zu emanzipatorischen Werten in den meisten Fällen nicht aufhalten oder umkehren.

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Wertewandel in Deutschland und Westeuropa

  • Jakob Schwörer

摘要

Die Antwort auf die letzte Frage ist natürlich nein. Es gibt kurzfristige Schwankungen in den Einstellungen, Präferenzen und besonders wichtigen Themen der Bevölkerung, wie regelmäßig durchgeführte nationale und europäische Meinungsumfragen zeigen. Im Jahr 2023 sorgte die von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Auftrag gegebene „Mitte-Studie“ für Schlagzeilen, die einen dramatischen Anstieg rechtsextremer Einstellungen in der Bevölkerung im Vergleich zur letzten Erhebung im Jahr 2020 aufzeigte. Mehr als acht Prozent der Deutschen haben demnach ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild, wobei die Grauzone (Menschen die einzelne rechtsextreme Einstellungen teilen) noch größer ist. Über 16 Prozent der Befragten zeigten fremdenfeindliche Einstellungen, weitere 30 Prozent bewegten sich im Graubereich. Ohne die Ergebnisse in Frage stellen zu wollen, möchte ich darauf hinweisen, dass es bei Längsschnittuntersuchungen wie der Mitte-Studie, aber auch dem „Eurobarometer“ oder dem „World Values Survey“ immer wieder einzelne Ausreißerjahre gibt. Der Kulturforscher Christian Welzel beschreibt diese kurzfristigen Abweichungen oder Schwankungen innerhalb eines größeren, langfristigen Trends auch als „Epizyklen“, die den übergeordneten Trend zu emanzipatorischen Werten in den meisten Fällen nicht aufhalten oder umkehren.