Als Zentrum der Stadt bildete die Innenstadt bisher zugleich das Zentrum der modernen Gesellschaft. Sie fungierte als Vorbild hegemonialer Entwicklungsmodelle und als Leuchtturm, an dem sich die Peripherien in ihrer Entwicklung orientierten. Wenn es jedoch einen Ort in der Stadt gibt, der am wenigsten den Bürgerinnen und Bürgern gehört, dann ist dies vermutlich die Innenstadt. Die Modernisierung als bisher dominantes Entwicklungsmodell hat sowohl zur Krise der Innenstädte als auch zur gegenwärtigen Polykrise der Gesellschaft beigetragen. Zur Lösung dieser Krise reicht ein Mehr vom Gleichen nicht mehr aus; vielmehr wird eine systemische Transformation benötigt. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob Innenstädte künftig als Leuchttürme erprobter Alternativen dienen können. Für transformative Prozesse ist das Wie entscheidender als das Was: So macht es einen grundlegenden Unterschied, ob Innenstädte top‑down oder partizipativ – durch die Gemeinschaft ihrer Nutzerinnen und Nutzer – entwickelt werden. Da gesellschaftliche Transformation immer auch ein Kommunikationsprozess ist, gilt das Prinzip: Beziehung kommt vor Inhalt. Als Gemeingüter können Innenstädte ein identitätsstiftendes Element („Totem“) inmitten gesellschaftlicher Vielfalt bilden und neue Allianzen für den Wandel ermöglichen. Transformationsprozesse sind zugleich individuelle wie kollektive Lernprozesse. Daher kommt Reallaboren eine zentrale Bedeutung zu. Ein Beispiel hierfür ist der „Tag des guten Lebens“ in Köln, der zeigt, wie gemeinschaftliche Praxis neue Formen urbaner Entwicklung erproben und verstetigen kann.

错误:搜索内容不能为空,请输入英文关键词
错误:关键词超出字数限制,请精简
高级检索

Die Innenstadt als Leuchtturm gesellschaftlicher Transformationen

  • Davide Brocchi

摘要

Als Zentrum der Stadt bildete die Innenstadt bisher zugleich das Zentrum der modernen Gesellschaft. Sie fungierte als Vorbild hegemonialer Entwicklungsmodelle und als Leuchtturm, an dem sich die Peripherien in ihrer Entwicklung orientierten. Wenn es jedoch einen Ort in der Stadt gibt, der am wenigsten den Bürgerinnen und Bürgern gehört, dann ist dies vermutlich die Innenstadt. Die Modernisierung als bisher dominantes Entwicklungsmodell hat sowohl zur Krise der Innenstädte als auch zur gegenwärtigen Polykrise der Gesellschaft beigetragen. Zur Lösung dieser Krise reicht ein Mehr vom Gleichen nicht mehr aus; vielmehr wird eine systemische Transformation benötigt. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob Innenstädte künftig als Leuchttürme erprobter Alternativen dienen können. Für transformative Prozesse ist das Wie entscheidender als das Was: So macht es einen grundlegenden Unterschied, ob Innenstädte top‑down oder partizipativ – durch die Gemeinschaft ihrer Nutzerinnen und Nutzer – entwickelt werden. Da gesellschaftliche Transformation immer auch ein Kommunikationsprozess ist, gilt das Prinzip: Beziehung kommt vor Inhalt. Als Gemeingüter können Innenstädte ein identitätsstiftendes Element („Totem“) inmitten gesellschaftlicher Vielfalt bilden und neue Allianzen für den Wandel ermöglichen. Transformationsprozesse sind zugleich individuelle wie kollektive Lernprozesse. Daher kommt Reallaboren eine zentrale Bedeutung zu. Ein Beispiel hierfür ist der „Tag des guten Lebens“ in Köln, der zeigt, wie gemeinschaftliche Praxis neue Formen urbaner Entwicklung erproben und verstetigen kann.