Zwischen Verletzlichkeit und gelingendem Leben – Literalität subjektorientiert beforschen
摘要
Ausgangspunkt des Textes sind Veränderungen im Literalitätsdiskurs, die in dem Versuch münden, zu einem weniger verletzenden Literalitätsbegriff zu gelangen, indem das Leben mit geringer Literalität anerkannt und nicht als Leiden verkannt wird. Vor diesem Hintergrund wird die Frage aufgeworfen, was Menschen in ihren jeweiligen Lebenswelten (insbesondere in Bezug auf Literalität) bedürfen, um ihr Leben in größtmöglicher Selbstbestimmung, d. h. selbstverantwortlich und selbstverantwortet (gelingend) gestalten zu können. Insofern steht die Erforschung von Literalität vor der Herausforderung, Mechanismen der Stigmatisierung zu vermeiden, die durch bestimmte Forschungsansätze reproduziert werden und den Diskurs über Literalität fundieren können. Diese Aspekte können insbesondere für Menschen, die einer bestimmten Schriftsprachnorm nicht entsprechen, verletzend sein. Im vorliegenden Beitrag werden Ergebnisse einer explorativen Studie, in der mit Teilnehmenden von Grundbildungskursen narrative Interviews geführt worden sind, und daraus resultierende Überlegungen präsentiert. Zuerst wird der inhaltliche Rahmen in Hinblick auf die Eudaimogenese paradigmatisch und auf das forschungsmethodische Vorgehen vorgestellt. Dem folgt eine Analyse der Interviewdaten entlang dreier Aspekte: dem bisherigen Umgang mit der eigenen Literalität, den Anlässen für den Besuch von Alphabetisierungsangeboten sowie den individuellen Nutzenerwartungen. Die gewonnenen Erkenntnisse werden im Kontext des Gelingens präsentiert und abschließend Schlussfolgerungen für eine subjektorientierte Forschung von Literalität im eudaimogenetischen Paradigma gezogen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass ein subjektorientiertes Verständnis von Literalität notwendig ist, um sowohl die erhöhte Verletzbarkeit gering literalisierter Erwachsener angemessen zu berücksichtigen als auch die Ermöglichung gelingenden Lebens in den Fokus zu rücken.