Ausgangspunkt des Beitrages ist die Vorstellung, dass Literalität eine zentrale Rolle in modernen (Wissens-)Gesellschaften einnimmt, in denen schriftliche Kommunikation und Interaktion für das Funktionieren und Fortbestehen der Gesellschaft entscheidend sind. Literalität ist ein zentrales Medium für gesellschaftliche Teilhabe, woraus sich spezifische literale Anforderungen an die einzelnen Gesellschaftsmitglieder ergeben. Zugleich sind Literalität, Schrift und Schriftlichkeit in ihrer Vielfalt und Komplexität nicht einfach zu fassen. Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang der Ansatz Literalität als soziale Praxis, der in diesem Beitrag vorgestellt wird. Er wurde von Brian Street entwickelt und diskutiert Literalität(en) aus einer sozial und kulturell ganzheitlichen sowie multimodalen Perspektive. So wird es möglich, unterschiedliche individuelle Zugänge und soziale Rahmenbedingungen im Hinblick auf den Umgang mit und die Anwendung von Literalität(en) in verschiedenen Kontexten zu betrachten als auch Literalität(en) als soziale und individuelle Ressource zu verstehen. In einem zweiten Schritt wird thematisiert, dass Wissenschaft als ein wichtiges gesellschaftliches Subsystem zu betrachten ist, das unabhängige Erkenntnis- und Wissensgenerierung für nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche ermöglicht, wobei Schriftsprache in der Wissenschaft eine elementare Rolle einnimmt. Sie ist nicht nur Wissens- und Datenträger, Diskurs- und Verständigungsmedium, sondern stellt zugleich das zentrale Denk- und Analysewerkzeug dar. Unklar ist jedoch, wie wissenschaftliche Literalität(en) im Rahmen von empirischen Forschungsprozessen auf lokale literale Praktiken in (sozialen) Forschungsfeldern treffen und die Erkenntnis- und Wissensgenerierung tangieren. Der Beitrag endet mit einem Ausblick auf die Beteiligung von Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten an empirischer (Sozial-)Forschung.

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Literalität als soziale Praxis verstehen – Anregungen für die Teilnahme und Teilhabe gering literalisierter Menschen an (qualitativer) Sozialforschung

  • Antje Pabst

摘要

Ausgangspunkt des Beitrages ist die Vorstellung, dass Literalität eine zentrale Rolle in modernen (Wissens-)Gesellschaften einnimmt, in denen schriftliche Kommunikation und Interaktion für das Funktionieren und Fortbestehen der Gesellschaft entscheidend sind. Literalität ist ein zentrales Medium für gesellschaftliche Teilhabe, woraus sich spezifische literale Anforderungen an die einzelnen Gesellschaftsmitglieder ergeben. Zugleich sind Literalität, Schrift und Schriftlichkeit in ihrer Vielfalt und Komplexität nicht einfach zu fassen. Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang der Ansatz Literalität als soziale Praxis, der in diesem Beitrag vorgestellt wird. Er wurde von Brian Street entwickelt und diskutiert Literalität(en) aus einer sozial und kulturell ganzheitlichen sowie multimodalen Perspektive. So wird es möglich, unterschiedliche individuelle Zugänge und soziale Rahmenbedingungen im Hinblick auf den Umgang mit und die Anwendung von Literalität(en) in verschiedenen Kontexten zu betrachten als auch Literalität(en) als soziale und individuelle Ressource zu verstehen. In einem zweiten Schritt wird thematisiert, dass Wissenschaft als ein wichtiges gesellschaftliches Subsystem zu betrachten ist, das unabhängige Erkenntnis- und Wissensgenerierung für nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche ermöglicht, wobei Schriftsprache in der Wissenschaft eine elementare Rolle einnimmt. Sie ist nicht nur Wissens- und Datenträger, Diskurs- und Verständigungsmedium, sondern stellt zugleich das zentrale Denk- und Analysewerkzeug dar. Unklar ist jedoch, wie wissenschaftliche Literalität(en) im Rahmen von empirischen Forschungsprozessen auf lokale literale Praktiken in (sozialen) Forschungsfeldern treffen und die Erkenntnis- und Wissensgenerierung tangieren. Der Beitrag endet mit einem Ausblick auf die Beteiligung von Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten an empirischer (Sozial-)Forschung.