Darstellungstypen und ihre Erfahrungs- und (Nicht-)Verstehens-Potentiale
摘要
Das Kapitel bietet zu jedem der fünf Typen zunächst typologische Analysen von zwei bis drei exemplarischen Jugendromanen. Im Anschluss werden jeweils auf dieser Basis spezifische Erfahrungs- und (Nicht-)Verstehens-Potenziale des Typus herausgearbeitet. Mit Blick auf den Typus „Dokumentarische Fiktionalisierung“ erweisen sich die Rhetorik des Zeugnisses und Montageverfahren als Ansatzpunkt für wirkungsbezogene Sprachbeobachtungen. Die (Un)Möglichkeit und gleichzeitige Überlebens-Notwendigkeit von Erzählvorgängen wird erfahrbar. Auch können die mit den Mitteln dokumentarischer Authentifizierung verschleierten Grenzen zwischen Fiktivem und Faktischem in den Blick geraten. Mit der „Pädagogischen Beispielgeschichte“ lässt sich der Erwerb historischen Wissens anstoßen und an Beispielen vertiefen. Moralische Dilemmata können an exemplarisch agierenden Protagonist*innen emotionale Handlungsmotive empathisch beobachtet und diskutiert werden. Die „Rettungsgeschichte“ ermöglicht eine vertiefte Emotionalisierung. Vielfach wird neben der „Emotionswahrnehmung“ auch die „Emotionseinnahme“ (Olsen 2011) anregt. Sie bietet Anlässe zur Verknüpfung empathischen Verstehens mit interkulturellen Lernprozessen. Auch der Typus „Rettungsgeschichte“ eröffnet moraldidaktische Potenziale, indem Ambivalenzen rettenden Handelns unter den Bedingungen genozidaler, menschenvernichtender Ordnungen fokussiert werden können. Der Typus „inszenierte Naivität“ rückt die spezifische Konstruiertheit von Erzählungen mit historischen Referenzen in den Blick. Die inszeniert naive Erzählinstanz evoziert in besonderem Maße empathische Verstehensbemühungen, da die Diskrepanz zwischen Weltwissen und „Wahrheit der Literatur“ (Kammler 2017) deutlich hervortritt. Der Typus „Sekundäre Zeugenschaft und Metahistorie“ regt zum reflektiven Umgang mit Fiktionalität, ethischen und geschichtskulturellen Diskursen an. Er eignet sich insgesamt dazu, eine reflexiv-wahrnehmende, distanzierte Perspektivierung des Dargestellten zu initiieren.