Typologie einer Genozid-Jugendliteratur
摘要
Die typologische Beschreibung von Genozid-Jugendliteratur fußt auf der These, dass das jugendliterarische Schreiben über ‚andere‘ Genozide durch das Schreiben über den Holocaust präformiert ist. Dieser Zusammenhang ist für das allgemeinliterarische Erzählen bereits fundiert worden. Es lässt sich zudem zeigen, dass neben poetologischen Herausforderungen des Schreibens über ein unbezeugbares Verbrechen erinnerungspädagogische und ethische Anforderungen sowohl Holocaust- als auch Genozid-Jugendliteratur eingeschrieben sind. Die Auswahl der Beispiele für Gattungstypen aus dem großen Gegenstandsfeld der Jugendliteratur über den Genozid an den Jüdinnen und Juden erfolgt in Anlehnung an Kümmerling-Meibauers Kanonisierungs-Prinzip der „Generativität“. Die ausgewählten Texte der haben Gattungsmuster für den Umgang mit der Darstellungsproblematik und der erinnerungskulturellen Aufgabe bereitgestellt. Die Typen „Dokumentarische Fiktionalisierung“, „Pädagogische Beispielgeschichte“, „Rettungsgeschichte“, „Inszenierte Naivität“ sowie „Sekundäre Zeugenschaft und Metahistorie“ kennzeichnen unterschiedliche Schwerpunktsetzungen im Erzählen über Genozid. Sie sind durch bestimmte Umgangsweisen mit historischen Quellen, durch Aufklärungs- und Versöhnungsintentionen, durch spezifische Perspektivierungen des Grauens und des Überlebens sowie durch Inszenierungen von Zeugenschaft geprägt.