Wozu ist eine Person in der Lage, die nichts mehr zu verlieren hat? Zu welchen schweren Gewalthandlungen ist eine Person fähig, wenn sie stark emotionalisiert und möglicherweise unter Alkohol- oder Drogeneinfluss steht? Unter welchen Bedingungen besteht bei einer suizidgefährdeten Person mit einer Waffe auch ein erhöhtes Risiko der Fremdgefährdung für Dritte oder Einsatzkräfte der Polizei? Diesen Fragen gemeinsam ist das Konstrukt der Gefährlichkeit bzw. Gefährdung. So naheliegend die Notwendigkeit einer Bewertung und Einschätzung derartiger Sachverhalte (und Personen) sowohl für den allgemeinen Polizeieinsatz als auch für den Einsatz von Spezialkräften und damit die erfolgreiche polizeiliche Lagelösung auch ist, so unterschiedlich sind die Vorstellungen und Erwartungshaltungen, was eine Gefährdungsbewertung beinhaltet und was sie leisten kann. In diesem Kapitel sollen die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der polizeilichen Gefährdungsbewertung zu forensischen Kriminalprognosen erläutert werden. Anschließend wird für bestimmte herausragende polizeiliche Einsatzlagen im Kontext von Spezialeinheiten und Spezialkräften (SE/SK) ein geeigneter methodischer Prozess der Gefährdungsbewertung dargestellt. Dies soll helfen, polizeiliche Prognoseverfahren nach einheitlichen Maßstäben zu beurteilen und deren Qualität und Nutzen besser bewerten zu können. Ein Klassifikationsschema und Prüfkriterien werden abschließend vorgestellt, mit deren Hilfe polizeiliche Verfahren der Gefährdungsbewertung eingeordnet, deren Wirksamkeit einheitlich überprüft und zukünftige Weiterentwicklungen dieser vorgenommen werden können.

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Gefährdungsbewertung und Risikobeurteilung – Polizeiliche Einschätzung schwerer Gewalt in herausragenden Einsatzlagen

  • Fabian Gerstung,
  • Miriam Bruder

摘要

Wozu ist eine Person in der Lage, die nichts mehr zu verlieren hat? Zu welchen schweren Gewalthandlungen ist eine Person fähig, wenn sie stark emotionalisiert und möglicherweise unter Alkohol- oder Drogeneinfluss steht? Unter welchen Bedingungen besteht bei einer suizidgefährdeten Person mit einer Waffe auch ein erhöhtes Risiko der Fremdgefährdung für Dritte oder Einsatzkräfte der Polizei? Diesen Fragen gemeinsam ist das Konstrukt der Gefährlichkeit bzw. Gefährdung. So naheliegend die Notwendigkeit einer Bewertung und Einschätzung derartiger Sachverhalte (und Personen) sowohl für den allgemeinen Polizeieinsatz als auch für den Einsatz von Spezialkräften und damit die erfolgreiche polizeiliche Lagelösung auch ist, so unterschiedlich sind die Vorstellungen und Erwartungshaltungen, was eine Gefährdungsbewertung beinhaltet und was sie leisten kann. In diesem Kapitel sollen die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der polizeilichen Gefährdungsbewertung zu forensischen Kriminalprognosen erläutert werden. Anschließend wird für bestimmte herausragende polizeiliche Einsatzlagen im Kontext von Spezialeinheiten und Spezialkräften (SE/SK) ein geeigneter methodischer Prozess der Gefährdungsbewertung dargestellt. Dies soll helfen, polizeiliche Prognoseverfahren nach einheitlichen Maßstäben zu beurteilen und deren Qualität und Nutzen besser bewerten zu können. Ein Klassifikationsschema und Prüfkriterien werden abschließend vorgestellt, mit deren Hilfe polizeiliche Verfahren der Gefährdungsbewertung eingeordnet, deren Wirksamkeit einheitlich überprüft und zukünftige Weiterentwicklungen dieser vorgenommen werden können.