Dieses Kapitel stellt das erste lebensweltliche Argument für die Existenz der Vergangenheit dar: Wenn nur die Gegenwart existiert, können wir kein gutes Leben führen; weil die Gegenwart zu klein ist, um dort Werte zu verorten, die unser Leben gut machen. Für die Frage, was unser Leben gut machen kann, wird eine pluralistische Sichtweise präsentiert: Glücksgefühl, Liebe, Wissen, Schönheit und Kunst, Moral und Spiritualität werden allesamt als gültige Optionen akzeptiert. Für die meisten dieser Optionen wird argumentiert, dass sie nicht einfach als Dispositionen betrachtet werden können, die ein Leben in der Gegenwart gut machen können, auch wenn sie im Augenblick nicht aktiv sind. Zudem scheint ein gutes Leben, das nur in der Gegenwart stattfindet, mit dem Dilemma konfrontiert zu sein, im Lauf der Zeit ständig verloren zu gehen – und es gibt viele Umstände, wie das, was das Leben in der Gegenwart gut macht, für immer verloren gehen kann. Im Gegensatz dazu kann die Vergangenheit, wenn sie weiter existiert, der Ort sein, an dem das gute Leben für immer bewahrt wird – ein Gedanke, der z. B. auch schon bei Viktor Frankl und dem römischen Dichter Horaz zu finden ist.

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Die Gegenwart ist zu klein für ein sinnvolles Leben

  • Benjamin Andrae

摘要

Dieses Kapitel stellt das erste lebensweltliche Argument für die Existenz der Vergangenheit dar: Wenn nur die Gegenwart existiert, können wir kein gutes Leben führen; weil die Gegenwart zu klein ist, um dort Werte zu verorten, die unser Leben gut machen. Für die Frage, was unser Leben gut machen kann, wird eine pluralistische Sichtweise präsentiert: Glücksgefühl, Liebe, Wissen, Schönheit und Kunst, Moral und Spiritualität werden allesamt als gültige Optionen akzeptiert. Für die meisten dieser Optionen wird argumentiert, dass sie nicht einfach als Dispositionen betrachtet werden können, die ein Leben in der Gegenwart gut machen können, auch wenn sie im Augenblick nicht aktiv sind. Zudem scheint ein gutes Leben, das nur in der Gegenwart stattfindet, mit dem Dilemma konfrontiert zu sein, im Lauf der Zeit ständig verloren zu gehen – und es gibt viele Umstände, wie das, was das Leben in der Gegenwart gut macht, für immer verloren gehen kann. Im Gegensatz dazu kann die Vergangenheit, wenn sie weiter existiert, der Ort sein, an dem das gute Leben für immer bewahrt wird – ein Gedanke, der z. B. auch schon bei Viktor Frankl und dem römischen Dichter Horaz zu finden ist.