Dieses Kapitel beginnt mit der Beobachtung, dass Philosophen ihre Meinungen oft auch auf Basis von emotionalen Gründen zu bilden scheinen und erst dann nach rein neutralen, theoretischen Begründungen suchen, die diese Meinungen stützen. Anstatt einen solchen Ansatz aufzugeben, wird vorgeschlagen, ihn zu akzeptieren; und genau diese emotionalen Gründe für die Auswahl von philosophischen Positionen offenzulegen – und sie als Teil der Evidenz zu betrachten, die damit zur Wahrheitsfindung beitragen. Inspiriert von William James und anderen werden lebensweltliche Argumente allgemein als Fälle verstanden, in denen ein Gedanke im Hinblick auf unser persönliches Leben resonant, interessant, kohärent, produktiv oder spannend ist. Anschließend werden lebensweltliche Argumente gegen zwei Einwände verteidigt: Sie sind erstens nicht bloß eine Art „Wunscherfüllung“; und zweitens ist die Tatsache, dass unsere Emotionen offensichtlich Produkte der Evolution sind, nichts, was sie als Evidenz bei der Wahrheitssuche ausschließt. Am Ende wird gezeigt, dass die Frage nach der Existenz der Vergangenheit sich besonders gut für lebensweltliche Argumentation eignet, da viele Aspekte unseres persönlichen Lebens eng mit Zeit und Vergangenheit verbunden sind.

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Die Rolle von Werten und Gefühlen bei der Diskussion

  • Benjamin Andrae

摘要

Dieses Kapitel beginnt mit der Beobachtung, dass Philosophen ihre Meinungen oft auch auf Basis von emotionalen Gründen zu bilden scheinen und erst dann nach rein neutralen, theoretischen Begründungen suchen, die diese Meinungen stützen. Anstatt einen solchen Ansatz aufzugeben, wird vorgeschlagen, ihn zu akzeptieren; und genau diese emotionalen Gründe für die Auswahl von philosophischen Positionen offenzulegen – und sie als Teil der Evidenz zu betrachten, die damit zur Wahrheitsfindung beitragen. Inspiriert von William James und anderen werden lebensweltliche Argumente allgemein als Fälle verstanden, in denen ein Gedanke im Hinblick auf unser persönliches Leben resonant, interessant, kohärent, produktiv oder spannend ist. Anschließend werden lebensweltliche Argumente gegen zwei Einwände verteidigt: Sie sind erstens nicht bloß eine Art „Wunscherfüllung“; und zweitens ist die Tatsache, dass unsere Emotionen offensichtlich Produkte der Evolution sind, nichts, was sie als Evidenz bei der Wahrheitssuche ausschließt. Am Ende wird gezeigt, dass die Frage nach der Existenz der Vergangenheit sich besonders gut für lebensweltliche Argumentation eignet, da viele Aspekte unseres persönlichen Lebens eng mit Zeit und Vergangenheit verbunden sind.