Der Realismus des erzeugten Bildes. Über Sinnstrukturen generativer Bildproduktion und ihres algorithmischen Archivs
摘要
Was bedeutet Realismus, wenn ein neuronales Netz Milliarden Bildpunkte berechnet, die keinen Referenten in der Wirklichkeit haben und dennoch glaubwürdiger wirken als Fotografie? Wie wirken diese massenhaft erzeugten Bilder dann in einem sozialen Medienarchiv? Der Aufsatz beantwortet diesen Fragen, indem er drei Ebenen verknüpft: (1) die Demokratisierung der Bildproduktion durch Prompt-Interfaces und die damit einhergehende Erosion professioneller Silos, (2) eine Neuinterpretation klassischer Realismustheorie, die zeigt, dass KI-Bilder Sinnbehauptungen naturalisieren statt Fakten abzubilden, und (3) die Verschränkung des unendlichen Latent Space mit algorithmischen Archiven, die Sichtbarkeit nach Aufmerksamkeitswert filtern. Methodisch verschränkt der Text designanalytische und ästhetiktheoretische Argumentation. Die Erkenntnis: Macht verlagert sich vom Akt des Gestaltens zur Instanz der Selektion, und diese Selektion basiert auf einem Realismus der KI-Bilder als Vehikel hegemonialer Werte. Der Beitrag skizziert letztlich drei neue Aufgaben für das Design: Kartografie digitaler Sichtbarkeitsräume, gezielte Störung algorithmischer Routinen und Moderation öffentlicher Bilddiskurse.