Anthropomorphe Interfaces: Künstliche Intelligenz als gestaltete Interaktion
摘要
Unser Verständnis der Künstlichen Intelligenz wird nicht nur von unserem anthropomorphen Sprachgebrauch beeinflusst, sondern in hohem Maße auch durch die Gestaltung von Interfaces. Künstliche Intelligenz wurde bereits früh in der HCI-Forschung und im Interface-Design implizit als eine gestaltete Interaktion zugunsten der Benutzerillusion und Benutzerfreundlichkeit konzipiert, so die zentrale These. Der Beitrag arbeitet anhand der Interface-Theorien von Alan Kay und Brenda Laurel das Verhältnis von Interface-Agenten und Benutzerillusion aus, um zu zeigen, dass bereits seit den 1980er-Jahren die Simulation Künstlicher Intelligenz Teil guter Gestalt war. Als Gestaltungsprinzip wird der Anthropomorphismus in seiner konkreten Anwendung durch verschiedene Metaphern geleitet, die Funktion und Autonomie der Agenten konzeptionell rahmen sollen. Die Debatte um die vermenschlichende Gestaltung von Interface-Agenten, die in den 1990ern vor allem zwischen Pattie Maes und Ben Shneiderman entfachte und bis heute anhält, gibt Einblick in die Bedeutung des Anthropomorphismus für die Gestaltung und für unsere Wahrnehmung von und Sprache über Künstliche Intelligenz. Die aktuelle Debatte um einen angemessenen Sprachgebrauch hinsichtlich der KI wird abschließend auf die Rolle der Gestaltung für den Anthropomorphismus bezogen, um ihre wechselseitige Abhängigkeit herauszustellen und für einen kritisch-reflexiven Umgang mit der vermenschlichenden Tendenz in Sprache und Gestaltung zu plädieren.