Zur deutschen Soziologie der Zwischenkriegszeit: Weimar – Drittes Reich – Exil
摘要
Die deutsche/deutschsprachige Soziologie, entworfen als hermeneutisch-kausalanalytisches Projekt zur sozial- sowie gesellschaftswissenschaftlichen Klärung konkreter Probleme ebenso wie zur Interpretation der „Vielherkömmlichkeit“ (Michels) kultureller Tendenzen samt Folgeabschätzung der eigenen Theorieproduktion, verfehlte während der – chronologisch gefassten, da kulturell wie politisch ansonsten inkompatiblen – Zwischenkriegszeit (1918–1939) bei aller anfänglichen Interpretations-Kreativität den avisierten Tatsachenblick: Nicht zuletzt als Folge des Anpassungsdrucks vis à vis revolutionärer Umbrüche und ihres Drangs zur Verankerung als eigenständiges Universitätsfach. Das machte die junge Disziplin wirklichkeitswissenschaftlich hilflos gegenüber gesellschaftspolitischen Konfrontationen, die die Voraussetzungen ihres eigenen Wirkens bedrohten. Nach der NS-Machtergreifung zur gelenkten Sozialkunde degradiert, konnte sie, von Gemeinschaftstümeleien befreit, einzig im Exil an realitätstüchtigere Deutungsmaßstäbe anschließen, die ihr seit Max Weber mit auf den Weg gegeben waren.