Wirtschaftskrise, faschistische Bedrohung, „Geistige Landesverteidigung“: ideologische Dissonanz und nationale Integration in der Schweiz der Zwischenkriegszeit
摘要
Als hochkapitalistischer, außenpolitisch neutraler Kleinstaat manövrierte die Schweiz seit dem 19. Jahrhundert im Spannungsfeld zwischen globaler Verflechtung und nationaler Souveränität. Die Jahre nach 1933 waren geprägt durch anhaltende wirtschaftliche Krisenphänomene und die Bedrohung durch Nationalsozialismus sowie Faschismus. Diese manifestierte sich auch innenpolitisch: Rechtsextreme Frontenbewegungen griffen den liberalen Bundesstaat an. Auch bei den Katholisch-Konservativen und dem Freisinn gab es Anhänger einer „autoritären Demokratie“. In diesem Umfeld formierte sich in den ausgehenden 1930er-Jahren eine „Geistigen Landesverteidigung“, welche der bisher oppositionellen sozialdemokratisch-gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung eine nationale Integrationsperspektive anbot. Der Versuch, die Einheit und Vielfalt des Landes gleichermaßen zu stärken und sich gegen äußere Einflüsse abzugrenzen, blieb politisch ambivalent. Eugenische Bestrebungen, Überfremdungsängste und Antisemitismus fanden auch in der Schweiz Resonanz. Der Beitrag zeigt, wie die 1938 als Selbstbehauptung gefeierte Rückkehr zur „integralen Neutralität“ Zustimmung von Deutschland und Italien erhielt, stellte sie doch eine Schwächung des Völkerbundes und damit der kollektiven Sicherheit dar.