Es hat in der soziologiehistorischen Forschung verschiedentlich Diskussionen darüber gegeben, wie die Sozialwissenschaftler sich während der Dauer der Weimarer Republik zur – nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erkämpften – Demokratie gestellt hätten. Im Folgenden wird versucht, einer Beantwortung dieser Frage durch die Untersuchung der Vorträge und Diskussionen in der Hauptsitzung des Deutschen Soziologentags in Wien 1926 näher zu kommen, auf dem das Thema just die Demokratie war. Dabei werden die Positionen der beiden Hauptvorträge von Ferdinand Tönnies und Hans Kelsen und anschließend die Diskussionsbeiträge von zwei ausgesprochenen Gegnern der Demokratie, nämlich Robert Michels und Leonard Nelson, vorgestellt und kritisch diskutiert, auch im Lichte von politischen Erfahrungen im weiteren Verlauf der österreichischen und deutschen Geschichte nach 1926. – Es geht aber auch um die aktuelle Frage, wie die Lage der Demokratie genau 100 Jahre nach dem Wiener Soziologentag von 1926 weltweit aussieht. Dafür wird einerseits die von Karl Popper 1945 präsentierte Konzeption der „offenen Gesellschaft“ besprochen, und andererseits ein Blick auf die aktuelle Bedrohung der Demokratie durch Feinde in Ost und West geworfen.

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Für und wider die Demokratie: die Diskussion auf dem Wiener Deutschen Soziologentag 1926 und deren Aktualität

  • Hans-Joachim Dahms

摘要

Es hat in der soziologiehistorischen Forschung verschiedentlich Diskussionen darüber gegeben, wie die Sozialwissenschaftler sich während der Dauer der Weimarer Republik zur – nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erkämpften – Demokratie gestellt hätten. Im Folgenden wird versucht, einer Beantwortung dieser Frage durch die Untersuchung der Vorträge und Diskussionen in der Hauptsitzung des Deutschen Soziologentags in Wien 1926 näher zu kommen, auf dem das Thema just die Demokratie war. Dabei werden die Positionen der beiden Hauptvorträge von Ferdinand Tönnies und Hans Kelsen und anschließend die Diskussionsbeiträge von zwei ausgesprochenen Gegnern der Demokratie, nämlich Robert Michels und Leonard Nelson, vorgestellt und kritisch diskutiert, auch im Lichte von politischen Erfahrungen im weiteren Verlauf der österreichischen und deutschen Geschichte nach 1926. – Es geht aber auch um die aktuelle Frage, wie die Lage der Demokratie genau 100 Jahre nach dem Wiener Soziologentag von 1926 weltweit aussieht. Dafür wird einerseits die von Karl Popper 1945 präsentierte Konzeption der „offenen Gesellschaft“ besprochen, und andererseits ein Blick auf die aktuelle Bedrohung der Demokratie durch Feinde in Ost und West geworfen.