Ausgehend von Wolf Lepenies’ Thesen zum Verhältnis zwischen Literatur und Soziologie untersucht der Beitrag die literarische und essayistische Gesellschaftsdiagnostik Hugo von Hofmannsthals und Robert Musils am Beispiel ihrer Argumentation zur damals drängenden Frage der Nation und ihrer Bedeutung für das soziale und kulturelle Leben. Die von Lepenies zur Beschreibung einer spezifischen Zwitterstellung der Soziologie zwischen Literatur und Wissenschaft reklamierte Spannung zwischen szientifischer Orientierung im Sinne der Naturwissenschaften und hermeneutischer Einstellung der Dichtung lässt sich demnach innerhalb der Literatur selbst beobachten. Der generalisierende Befund einer diskursiven Zwischenposition der Soziologie eignet sich mithin nicht als Differenzkriterium zur Literatur, zumal die untersuchten literarischen Autoren in ihrer essayistischen und auch erzählerischen Gesellschaftsdiagnostik auf unterschiedliche Weisen mit soziologischen Wissensbeständen gearbeitet oder soziologieaffin argumentiert haben. Beide österreichische Autoren – Hofmannsthal und Musil – sind in all ihrer Unterschiedlichkeit maßgebliche Exponenten kritischer literarischer Gesellschaftsdiagnostik der Zwischenkriegszeit. Die Literatur erweist sich insofern in methodologischer und ideologischer Hinsicht als genauso zwiespältig wie die zeitgenössische Soziologie.

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Die Nation als Problem. Kritische Gesellschaftsdiagnostik in ausgewählten Essays Hugo von Hofmannsthals und Robert Musils

  • Norbert Christian Wolf

摘要

Ausgehend von Wolf Lepenies’ Thesen zum Verhältnis zwischen Literatur und Soziologie untersucht der Beitrag die literarische und essayistische Gesellschaftsdiagnostik Hugo von Hofmannsthals und Robert Musils am Beispiel ihrer Argumentation zur damals drängenden Frage der Nation und ihrer Bedeutung für das soziale und kulturelle Leben. Die von Lepenies zur Beschreibung einer spezifischen Zwitterstellung der Soziologie zwischen Literatur und Wissenschaft reklamierte Spannung zwischen szientifischer Orientierung im Sinne der Naturwissenschaften und hermeneutischer Einstellung der Dichtung lässt sich demnach innerhalb der Literatur selbst beobachten. Der generalisierende Befund einer diskursiven Zwischenposition der Soziologie eignet sich mithin nicht als Differenzkriterium zur Literatur, zumal die untersuchten literarischen Autoren in ihrer essayistischen und auch erzählerischen Gesellschaftsdiagnostik auf unterschiedliche Weisen mit soziologischen Wissensbeständen gearbeitet oder soziologieaffin argumentiert haben. Beide österreichische Autoren – Hofmannsthal und Musil – sind in all ihrer Unterschiedlichkeit maßgebliche Exponenten kritischer literarischer Gesellschaftsdiagnostik der Zwischenkriegszeit. Die Literatur erweist sich insofern in methodologischer und ideologischer Hinsicht als genauso zwiespältig wie die zeitgenössische Soziologie.