Im Unterschied zu vergleichbaren Großstädten wendet sich die Soziologie in Wien erst relativ spät sowie aus Randpositionen des wissenschaftlichen Felds heraus Fragen der Stadt und des städtischen Lebens zu. Der Beitrag zeichnet die teils verborgenen Anfänge der Stadtsoziologie im Wien der Zwischenkriegszeit nach: Sozialreportagen, zumeist sozialreformerisch, gelegentlich auch kommerziell motiviert, und sozialpolitische Studien verweisen um und nach der Jahrhundertwende auf zunehmende gesellschaftliche und politische Spannungen rund um die Wohnungsfrage (erster Abschnitt); im Kontext der Zwischenkriegszeit, im austromarxistischen „Roten Wien“, etabliert sich die empirische Soziologie schließlich auch als Stadtsoziologie, und zwar in zweifacher Weise: zum einen als im städtischen Gewebe verankerte Praxis empirischen Forschens wie sie, als stadtzugewandte Soziologie, für das Wirken von Käthe Leichter oder die Wirtschaftspsychologische Forschungsstelle prägend wird (zweiter Abschnitt); zum anderen als eigenständiger Gegenstand soziologischer Theoriebildung und Praxis, wofür die intellektuell originelle, mit seiner Bildpädagogik genuin verbundene und in vielfacher Hinsicht von interdisziplinärem Austausch inspirierte Stadt- und Wohnsoziologie von Otto Neurath steht (dritter Abschnitt).

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Stadtsoziologie in der Zwischenkriegszeit mit besonderem Bezug auf das Rote Wien

  • Christoph Reinprecht

摘要

Im Unterschied zu vergleichbaren Großstädten wendet sich die Soziologie in Wien erst relativ spät sowie aus Randpositionen des wissenschaftlichen Felds heraus Fragen der Stadt und des städtischen Lebens zu. Der Beitrag zeichnet die teils verborgenen Anfänge der Stadtsoziologie im Wien der Zwischenkriegszeit nach: Sozialreportagen, zumeist sozialreformerisch, gelegentlich auch kommerziell motiviert, und sozialpolitische Studien verweisen um und nach der Jahrhundertwende auf zunehmende gesellschaftliche und politische Spannungen rund um die Wohnungsfrage (erster Abschnitt); im Kontext der Zwischenkriegszeit, im austromarxistischen „Roten Wien“, etabliert sich die empirische Soziologie schließlich auch als Stadtsoziologie, und zwar in zweifacher Weise: zum einen als im städtischen Gewebe verankerte Praxis empirischen Forschens wie sie, als stadtzugewandte Soziologie, für das Wirken von Käthe Leichter oder die Wirtschaftspsychologische Forschungsstelle prägend wird (zweiter Abschnitt); zum anderen als eigenständiger Gegenstand soziologischer Theoriebildung und Praxis, wofür die intellektuell originelle, mit seiner Bildpädagogik genuin verbundene und in vielfacher Hinsicht von interdisziplinärem Austausch inspirierte Stadt- und Wohnsoziologie von Otto Neurath steht (dritter Abschnitt).