Konflikte in der sich verändernden chinesischen Gesellschaft
摘要
In dem Kapitel wird die konfuzianische Gerechtigkeit im Zusammenhang mit der Frage des konfuzianischen Gemeinwohls, dem Problem der Bevölkerungsexplosion und der Transformation der sozio-ökonomischen Strukturen untersucht. Dabei werden zuerst die beiden folgenden Fragen beantwortet: Welchem Ziel soll aus konfuzianischer Sicht die Gewalt eines Staates dienen? In welchem Zusammenhang steht die konfuzianische Aufklärung (Jiaohua 教化) mit der Verwirklichung des konfuzianischen Gemeinwohls? Zum Schluss von dem Kapitel werden drei Kernfragen beantwortet: Warum ein Bewusstsein für das „Ich“ sowie das „Individuum“ und der Begriff „Bürger“ in der konfuzianischen politischen Philosophie noch nicht abstrahiert werden konnten; welche Probleme sich aus der konfuzianischen Gerechtigkeit ergeben, wenn die einzigartige Bedeutung einer Familie durch sozio-ökonomische Strukturveränderungen und soziale Arbeitsteilung verloren geht; wie einfach, willkürlich sowie gefährlich der Herrscher durch teleologische Auslegung eines guten Ziels seine Herrschaft rechtfertigen und – wie Kaiser Hongli (1711–1799 n. Chr.) mit seiner „Soulstealer-Mobilisation“ im Jahr 1768 – „im Namen des Volkes“ sogar einen bewusst inszenierten Krieg aller gegen alle führen kann.