Seitdem die Auswirkungen von Globalisierung und Migration vermehrt ins Blickfeld gerückt sind, ist auch die alltägliche Multikulturalität in die Diskussion geraten. Bei dieser Blickrichtung auf die Bedeutung kultureller Prozesse hat sich sehr schnell eine nationalstaatliche Perspektive eingespielt. Aus ihr heraus gerät Kultur zu einer alles überwölbenden Größe und jede Multikulturalität wird als Durchdringung der Gesellschaft mit fremden Kulturen gesehen. Tatsächlich resultieren kulturelle Prozesse seit je aus lokalen Diskursen im Rahmen des alltäglichen Zusammenlebens und bleiben insofern der konkreten gesellschaftlichen Situation verhaftet. Sie spiegeln die soziale Logik des Zusammenlebens in einer lokal verankerten, gleichzeitig aber auch global orientierten d. h. „glokal“ aufgestellten urbanen Gesellschaft, letztlich deren kleinster Einheit, dem Stadtquartier wider. Kulturelle Narrative sind deshalb so divers und multikulturell wie das urbane Alltagsleben und sie erfüllen dabei – je nach typisch unterschiedlichen Gegebenheiten dieser sozialen Topografie – unterschiedliche Aufgaben. Gerade in der Stadtgesellschaft beweisen kulturelle Prozesse ihre Leistungsfähigkeit in einem der praktischen Vernunft geschuldeten Flickenteppich.

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Postmigrantische Stadt

  • Wolf-Dietrich Bukow

摘要

Seitdem die Auswirkungen von Globalisierung und Migration vermehrt ins Blickfeld gerückt sind, ist auch die alltägliche Multikulturalität in die Diskussion geraten. Bei dieser Blickrichtung auf die Bedeutung kultureller Prozesse hat sich sehr schnell eine nationalstaatliche Perspektive eingespielt. Aus ihr heraus gerät Kultur zu einer alles überwölbenden Größe und jede Multikulturalität wird als Durchdringung der Gesellschaft mit fremden Kulturen gesehen. Tatsächlich resultieren kulturelle Prozesse seit je aus lokalen Diskursen im Rahmen des alltäglichen Zusammenlebens und bleiben insofern der konkreten gesellschaftlichen Situation verhaftet. Sie spiegeln die soziale Logik des Zusammenlebens in einer lokal verankerten, gleichzeitig aber auch global orientierten d. h. „glokal“ aufgestellten urbanen Gesellschaft, letztlich deren kleinster Einheit, dem Stadtquartier wider. Kulturelle Narrative sind deshalb so divers und multikulturell wie das urbane Alltagsleben und sie erfüllen dabei – je nach typisch unterschiedlichen Gegebenheiten dieser sozialen Topografie – unterschiedliche Aufgaben. Gerade in der Stadtgesellschaft beweisen kulturelle Prozesse ihre Leistungsfähigkeit in einem der praktischen Vernunft geschuldeten Flickenteppich.