Im Gespräch ‚Wahrheit, Moral und Politik‘ sprechen Martin Müller (Neopragmatismus/Richard Rorty) und Pascal Goeke (Systemtheorie/Niklas Luhmann) unter der Moderation von Olaf Kühne und Robert Lämmchen über zentrale Fragen der zeitgenössischen Wissenschaft und Gesellschaft: Was bedeutet Wahrheit heute? Welche Rolle spielen Moral und Politik in wissenschaftlicher Kommunikation? Und wie lassen sich Offenheit und Vertrauen in polarisierten Diskursen bewahren? Ausgehend von Rortys Idee, Wahrheit durch Rechtfertigung innerhalb sozialer Praktiken zu ersetzen, und Luhmanns Verständnis von Wahrheit als Code des Wissenschaftssystems, entfaltet sich ein Dialog über die Funktionsweise moderner Wissensproduktion. Während Luhmann analytisch beschreibt, wie Wahrheit systemisch operiert, betont Rorty den normativen Anspruch, Gespräche offenzuhalten und autoritäre Wahrheitsansprüche zu vermeiden. Beide Ansätze treffen sich in der Einsicht, dass Kommunikation kontingent ist – und dennoch verbindlich wirken kann. In Zeiten von KI-generierten Texten, moralischen Gewissheiten und populistischen Verkürzungen wird die Frage nach verantwortlicher Rede neu gestellt: Wie können Wissenschaft und Öffentlichkeit differenziert miteinander sprechen? Und: Wie kann Solidarität in einer Zeit gelingen, in der Vokabulare sich zunehmend voneinander abgrenzen? Das Gespräch führt exemplarisch vor, wie Rortys und Luhmanns Perspektiven einander kritisieren, ergänzen und wechselseitig produktiv irritieren können. Das Gespräch lässt sich auch als ein Plädoyer für eine Wissenschaft verstehen, die ihre eigenen Vokabulare reflektiert und sich zugleich ihrer politischen Verantwortung bewusst bleibt.

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Wahrheit, Moral und Politik – mit Luhmann und Rorty über Wissenschaft und Gesellschaft sprechen

  • Martin Müller,
  • Pascal Goeke,
  • Robert Lämmchen,
  • Olaf Kühne

摘要

Im Gespräch ‚Wahrheit, Moral und Politik‘ sprechen Martin Müller (Neopragmatismus/Richard Rorty) und Pascal Goeke (Systemtheorie/Niklas Luhmann) unter der Moderation von Olaf Kühne und Robert Lämmchen über zentrale Fragen der zeitgenössischen Wissenschaft und Gesellschaft: Was bedeutet Wahrheit heute? Welche Rolle spielen Moral und Politik in wissenschaftlicher Kommunikation? Und wie lassen sich Offenheit und Vertrauen in polarisierten Diskursen bewahren? Ausgehend von Rortys Idee, Wahrheit durch Rechtfertigung innerhalb sozialer Praktiken zu ersetzen, und Luhmanns Verständnis von Wahrheit als Code des Wissenschaftssystems, entfaltet sich ein Dialog über die Funktionsweise moderner Wissensproduktion. Während Luhmann analytisch beschreibt, wie Wahrheit systemisch operiert, betont Rorty den normativen Anspruch, Gespräche offenzuhalten und autoritäre Wahrheitsansprüche zu vermeiden. Beide Ansätze treffen sich in der Einsicht, dass Kommunikation kontingent ist – und dennoch verbindlich wirken kann. In Zeiten von KI-generierten Texten, moralischen Gewissheiten und populistischen Verkürzungen wird die Frage nach verantwortlicher Rede neu gestellt: Wie können Wissenschaft und Öffentlichkeit differenziert miteinander sprechen? Und: Wie kann Solidarität in einer Zeit gelingen, in der Vokabulare sich zunehmend voneinander abgrenzen? Das Gespräch führt exemplarisch vor, wie Rortys und Luhmanns Perspektiven einander kritisieren, ergänzen und wechselseitig produktiv irritieren können. Das Gespräch lässt sich auch als ein Plädoyer für eine Wissenschaft verstehen, die ihre eigenen Vokabulare reflektiert und sich zugleich ihrer politischen Verantwortung bewusst bleibt.