Ordnung, Komplexität, Differenzierung: Systemtheorie in der sozialgeographischen Forschung
摘要
Diese Episode widmet sich der Frage, welche Bedeutung die Systemtheorie – insbesondere in der Tradition von Niklas Luhmann – für die Geographie hat. Im Gespräch werden zunächst persönliche Zugänge zur Systemtheorie von Pascal Goeke, Olaf Kühne und Robert Lämmchen dargelegt. Diese zeigen exemplarisch, wie unterschiedlich sich Geograph*innen an systemtheoretische Fragestellungen nähern, hier über Migration, Fragen der Umweltbelastung oder Konfliktforschung. Im Zentrum stehen zunächst zentrale Begriffe der Luhmannschen Systemtheorie wie Komplexität, Kontingenz und funktionale Differenzierung. Diese werden als epistemologische Werkzeuge verstanden, um gesellschaftliche Phänomene zu beobachten. Systemtheorie wird dabei weniger als starres Theoriengebäude verstanden, denn als offenes Beobachtungsschema, das dabei hilft, gesellschaftliche Ordnung, Wandel und Konflikte zu beschreiben. Anhand von Beispielen – etwa aus der Migrationsforschung, der Befassung mit ökologischen Krisen oder der Beobachtung moralischer Kommunikation – wird verdeutlicht, wie systemtheoretisches Denken in konkreten empirischen Fallstudien Anwendung finden kann. Abschließend reflektieren die Gesprächspartner die Potenziale und Grenzen der Systemtheorie für die Geographie. Dabei wird die Anschlussfähigkeit an raumtheoretische Debatten betont, wie auch die Notwendigkeit einer präzisen Problemorientierung und die Möglichkeit, Systemtheorie als pragmatisches Instrument zur Bearbeitung gesellschaftlicher Konflikte zu nutzen. Dies alles ohne die Erwartung, abschließende Lösungen bereitzustellen.