Der Begriff der Grounded Theory findet in dreierlei Hinsicht Anwendung: Grounded Theory beschreibt eine Methodologie in der qualitativen Forschung. Gleichzeitig wird mit dem Begriff ein Methodeninventar bezeichnet, das ein methodisch kontrolliertes Verfahren des Vergleichens und Kodierens innerhalb eines iterativen Forschungsprozesses beschreibt. Schließlich wird am Ende des methodischen Auswertens von Datenmaterial ganz unterschiedlicher Art eine Grounded Theory, eine gegenstandsbezogene Theorie, generiert. Die Grounded Theory als erste Methodologie und als erstes methodisch fundiertes Instrumentarium der qualitativen Forschung, einschließlich der qualitativen Gesundheitsforschung, wurde in den vergangenen Jahrzehnten umfangreich in Forschungsstudien angewandt und hat sich hierbei weiter ausdifferenziert. Die Grounded Theory kann daher als methodologierelativ und methodenrelativ bezeichnet werden. Ein Verweisen, jemand arbeite gemäß der Grounded Theory Methodologie bzw. nutze die Grounded Theory zur Datenauswertung, reicht allein nicht aus, um sich bzw. das Forschungsvorhaben methodologisch und methodisch zu verorten, sondern es muss immer auch angegeben werden, welche Methode verwendet wird. Eine gegenstandsbezogene Theorie lässt sich – bei Erweiterung des Forschungsfeldes – ausdehnen. Wenn eine Theorie nicht nur für bestimmte Gegenstände zutrifft, sondern Allgemeingültigkeit erlangt hat, wird von einer formalen Theorie gesprochen. Nachwuchswissenschaftler*innen, die erstmalig mit der Grounded Theory arbeiten, lassen sich auf einen Prozess ein, in dem das Ergebnis zu Beginn nicht feststeht, weshalb sie von einer wissenschaftlichen Neugier nach Erkenntnisgewinn angetrieben sein sollten, die von einem stetigen Hinterfragen und Ergründen des zu untersuchenden Phänomens geprägt ist. Es geht zunächst also darum, das Verstehen zu verstehen. Hierbei merken sie sehr schnell, dass der Auswertungsprozess und der Theoriegenerierungsprozess kommunikative Prozesse darstellen: Es gilt, das, was die Daten zu sagen haben, wiederum in Worte (sprich: Konzepte und Kategorien) zu fassen. Das Fragenstellen ist hierbei eine der wichtigsten Mittel. Neben dem kommunikativen Prozess mit den Daten verläuft ein kommunikativer Prozess im Forschungsteam über die Daten. Im Ergebnis eines iterativen Forschungsprozesses entsteht eine gegenstandsbezogene Theorie.

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Grounded Theory

  • Astrid Seltrecht

摘要

Der Begriff der Grounded Theory findet in dreierlei Hinsicht Anwendung: Grounded Theory beschreibt eine Methodologie in der qualitativen Forschung. Gleichzeitig wird mit dem Begriff ein Methodeninventar bezeichnet, das ein methodisch kontrolliertes Verfahren des Vergleichens und Kodierens innerhalb eines iterativen Forschungsprozesses beschreibt. Schließlich wird am Ende des methodischen Auswertens von Datenmaterial ganz unterschiedlicher Art eine Grounded Theory, eine gegenstandsbezogene Theorie, generiert. Die Grounded Theory als erste Methodologie und als erstes methodisch fundiertes Instrumentarium der qualitativen Forschung, einschließlich der qualitativen Gesundheitsforschung, wurde in den vergangenen Jahrzehnten umfangreich in Forschungsstudien angewandt und hat sich hierbei weiter ausdifferenziert. Die Grounded Theory kann daher als methodologierelativ und methodenrelativ bezeichnet werden. Ein Verweisen, jemand arbeite gemäß der Grounded Theory Methodologie bzw. nutze die Grounded Theory zur Datenauswertung, reicht allein nicht aus, um sich bzw. das Forschungsvorhaben methodologisch und methodisch zu verorten, sondern es muss immer auch angegeben werden, welche Methode verwendet wird. Eine gegenstandsbezogene Theorie lässt sich – bei Erweiterung des Forschungsfeldes – ausdehnen. Wenn eine Theorie nicht nur für bestimmte Gegenstände zutrifft, sondern Allgemeingültigkeit erlangt hat, wird von einer formalen Theorie gesprochen. Nachwuchswissenschaftler*innen, die erstmalig mit der Grounded Theory arbeiten, lassen sich auf einen Prozess ein, in dem das Ergebnis zu Beginn nicht feststeht, weshalb sie von einer wissenschaftlichen Neugier nach Erkenntnisgewinn angetrieben sein sollten, die von einem stetigen Hinterfragen und Ergründen des zu untersuchenden Phänomens geprägt ist. Es geht zunächst also darum, das Verstehen zu verstehen. Hierbei merken sie sehr schnell, dass der Auswertungsprozess und der Theoriegenerierungsprozess kommunikative Prozesse darstellen: Es gilt, das, was die Daten zu sagen haben, wiederum in Worte (sprich: Konzepte und Kategorien) zu fassen. Das Fragenstellen ist hierbei eine der wichtigsten Mittel. Neben dem kommunikativen Prozess mit den Daten verläuft ein kommunikativer Prozess im Forschungsteam über die Daten. Im Ergebnis eines iterativen Forschungsprozesses entsteht eine gegenstandsbezogene Theorie.