Bei der qualitativen Inhaltsanalyse handelt es sich um ein flexibles Verfahren zur Analyse sowohl manifester als auch latenter Bedeutung auch in größeren Textmengen. Flexibel ist das Verfahren insofern, als es nicht an einen bestimmten (erkenntnis-)theoretischen Hintergrund gebunden, für unterschiedliche, meist beschreibend angelegte Fragestellungen und für die Anwendung auf Texte aller Art geeignet ist (wie beispielsweise Interviews, Fokusgruppen, Antworten auf offene Fragen, Dokumente aller Art oder Daten aus sozialen Medien). Das Anwendungsspektrum reicht von der Beschreibung von Textmerkmalen bis hin zu deren Konzeptualisierung und Interpretation. Die Fragestellungen orientieren sich im Bereich der Gesundheitsforschung häufig auf das Verstehen subjektiver Deutungen und Repräsentationssysteme in den Themenfeldern der Gesundheitsversorgung, der Prävention und der Gesundheitsförderung. Wesentliche Merkmale der qualitativen Inhaltsanalyse sind Kategorienorientierung, Abstraktion und Datenkomprimierung, Systematik und iteratives Vorgehen. Die Analyse erfolgt, indem zunächst vor dem Hintergrund der Fragestellung eine Erstfassung eines Kategoriensystems erstellt wird, in dem relevante Bedeutungen in Form von Ober- und Unterkategorien hierarchisch organisiert, aufgeführt und definiert sind. Dabei sollten sich die Unterkategorien einer Oberkategorie gegenseitig ausschließen und die Kategorien sollten valide sein. Die Kategorienbildung kann deduktiv auf der Grundlage von Vorwissen oder induktiv anhand des Materials erfolgen; auch Mischformen sind möglich. Für die induktive Kategorienbildung stehen verschiedene Strategien zur Verfügung, insbesondere die sukzessive Paraphrasierung, die Subsumption und das Kodieren mit anschließender Zusammenfassung zu Kategorien. Die Erstfassung des Kategoriensystems wird in einer Pilotphase erprobt, indem möglichst zwei Personen unabhängig voneinander die zuvor festgelegten Materialteile den Kategorien zuordnen und anschließend ihre Zuordnungen vergleichen. Nicht-Übereinstimmungen werden besprochen, eventuell wird eine Interrater-Übereinstimmung berechnet, und das Kategoriensystem wird überarbeitet. Daran schließt sich die Phase der Hauptkodierung an, in der das Kategoriensystem auf das gesamte Material angewandt wird. Je nach Fragestellung ist die Analyse damit abgeschlossen, und es folgt die Ergebnisdarstellung. Diese kann kategorien- oder fallbasiert vorgenommen und durch Zitate und ggf. Häufigkeitsangaben ergänzt werden. Auch weitere qualitative oder quantitative Analyseschritte sind möglich, beispielsweise die Exploration von Zusammenhängen zwischen Kategorien (qualitativ) oder Gruppenvergleiche (quantitativ).

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Qualitative Inhaltsanalyse in der Gesundheitsforschung

  • Margrit Schreier,
  • Nicole Weydmann

摘要

Bei der qualitativen Inhaltsanalyse handelt es sich um ein flexibles Verfahren zur Analyse sowohl manifester als auch latenter Bedeutung auch in größeren Textmengen. Flexibel ist das Verfahren insofern, als es nicht an einen bestimmten (erkenntnis-)theoretischen Hintergrund gebunden, für unterschiedliche, meist beschreibend angelegte Fragestellungen und für die Anwendung auf Texte aller Art geeignet ist (wie beispielsweise Interviews, Fokusgruppen, Antworten auf offene Fragen, Dokumente aller Art oder Daten aus sozialen Medien). Das Anwendungsspektrum reicht von der Beschreibung von Textmerkmalen bis hin zu deren Konzeptualisierung und Interpretation. Die Fragestellungen orientieren sich im Bereich der Gesundheitsforschung häufig auf das Verstehen subjektiver Deutungen und Repräsentationssysteme in den Themenfeldern der Gesundheitsversorgung, der Prävention und der Gesundheitsförderung. Wesentliche Merkmale der qualitativen Inhaltsanalyse sind Kategorienorientierung, Abstraktion und Datenkomprimierung, Systematik und iteratives Vorgehen. Die Analyse erfolgt, indem zunächst vor dem Hintergrund der Fragestellung eine Erstfassung eines Kategoriensystems erstellt wird, in dem relevante Bedeutungen in Form von Ober- und Unterkategorien hierarchisch organisiert, aufgeführt und definiert sind. Dabei sollten sich die Unterkategorien einer Oberkategorie gegenseitig ausschließen und die Kategorien sollten valide sein. Die Kategorienbildung kann deduktiv auf der Grundlage von Vorwissen oder induktiv anhand des Materials erfolgen; auch Mischformen sind möglich. Für die induktive Kategorienbildung stehen verschiedene Strategien zur Verfügung, insbesondere die sukzessive Paraphrasierung, die Subsumption und das Kodieren mit anschließender Zusammenfassung zu Kategorien. Die Erstfassung des Kategoriensystems wird in einer Pilotphase erprobt, indem möglichst zwei Personen unabhängig voneinander die zuvor festgelegten Materialteile den Kategorien zuordnen und anschließend ihre Zuordnungen vergleichen. Nicht-Übereinstimmungen werden besprochen, eventuell wird eine Interrater-Übereinstimmung berechnet, und das Kategoriensystem wird überarbeitet. Daran schließt sich die Phase der Hauptkodierung an, in der das Kategoriensystem auf das gesamte Material angewandt wird. Je nach Fragestellung ist die Analyse damit abgeschlossen, und es folgt die Ergebnisdarstellung. Diese kann kategorien- oder fallbasiert vorgenommen und durch Zitate und ggf. Häufigkeitsangaben ergänzt werden. Auch weitere qualitative oder quantitative Analyseschritte sind möglich, beispielsweise die Exploration von Zusammenhängen zwischen Kategorien (qualitativ) oder Gruppenvergleiche (quantitativ).