Diskriminierung = Vertrauensverlust? Der Einfluss von Diskriminierungserfahrungen auf das soziale und politische Vertrauen
摘要
Wer vertraut, überträgt Kontrolle in der Annahme, dass die übertragene Kontrolle nicht missbraucht wird. So steuert das Vertrauen unsere alltäglichen Entscheidungen und Verhaltensweisen und bildet die Grundlage für alle zwischenmenschlichen Beziehungen. Doch wovon hängt Vertrauen ab? Vertrauen basiert auf in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen und den daraus resultierenden emotionalen Assoziationen, aus denen Erwartungen für die Zukunft abgeleitet werden. Dabei können negative Erfahrungen zu einem Vertrauensverlust führen. Daran anknüpfend wird in diesem Beitrag der Frage nachgegangen, inwiefern Diskriminierungserfahrungen das Vertrauen beeinflussen. Weil Vertrauen sowohl auf die Mitglieder der Gesellschaft als auch auf politische Institutionen gerichtet sein kann, wird dabei auf die in der Forschungsliteratur gängige Unterscheidung zwischen sozialem und politischem Vertrauen zurückgegriffen. Zugleich werden über die Diskriminierung aufgrund der Herkunft hinaus verschiedene Diskriminierungsarten betrachtet. Für die empirischen Analysen wird das im Rahmen des Projekts „Sicherheit und Kriminalität in Sachsen“ erhobene Datenmaterial herangezogen. Den Analyseergebnissen zufolge vertrauen Personen, die zuvor Opfer von Diskriminierung geworden sind, ihren Mitmenschen sowie politischen Institutionen weniger als Personen ohne entsprechende Diskriminierungserfahrungen. Der negative Effekt der Diskriminierungserfahrungen auf das soziale sowie das politische Vertrauen zeigt sich hinsichtlich mehrerer Diskriminierungsarten (v. a. aufgrund der Herkunft, des Alters, der politischen Einstellung sowie einer Behinderung). Des Weiteren lässt sich feststellen, dass das politische Vertrauen von politisch rechts orientierten Personen stärker durch Diskriminierungserfahrungen aufgrund der politischen Einstellung beeinträchtigt wird als das politische Vertrauen von politisch links orientierten Personen.