Wie sich das subjektive Kriminalitätserleben im Zeitverlauf verändert hat. Eine Analyse am Beispiel der Stadt Dresden, 1995–2024
摘要
Der vorliegende Beitrag geht der Frage nach, welche Zusammenhänge zwischen objektiver Sicherheitslage und subjektivem Kriminalitätserleben sich in einer sächsischen Großstadt im Zeitverlauf seit den 1990er Jahren beobachten lassen und wie diese zu erklären sind. Grundlage der Analysen sind mehrere Bevölkerungsumfragen in Dresden in den Jahren 1995 bis 2024. Die Kriminalitätsbedrohung, gemessen an der Polizeilichen Kriminalstatistik, ist in Dresden in dieser Phase gesunken. Noch stärker gesunken ist die Kriminalitätsfurcht, gemessen an der personalen und der sozialen Kriminalitätsfurcht und ihren kognitiven, affektiven und konativen Dimensionen. Prozesse der Gewöhnung und ein sinkendes Anomie-Erleben stellen eine mögliche Erklärung für den überproportionalen Rückgang der Furcht dar, nicht hingegen die Entwicklung der lokalen Medienberichterstattung über Kriminalität. Diese ist im Zeitverlauf gestiegen. Einen herausgehobenen Stellenwert für die affektiv-personale Kriminalitätsfurcht nimmt die subjektive Anomie ein, zusammen mit der kognitiv-sozialen Kriminalitätsfurcht, die sich auf allgemeingesellschaftliche Bedrohungssituationen bezieht.