In diesem Kapitel wird die Biographie einer 1967 Jahre geborenen Frau, Britta Dorsen, vorgestellt, die in einem Mittelschichtmilieu als Einzelkind in einem Elternhaus ohne Bezug zur Großelterngeneration aufwuchs. Bedingt durch einen Umzug der Familie wurde sie im Alter von sieben Jahren aus ihrem schulischen Umfeld, in dem sie sich angenommen fühlte, sowie den Peergroups der Nachbarschaft, ‚herausgerissen‘. Die Familie orientiert sich an den Konventionen der Zeit: Die Mutter blieb zu Hause, der Vater war ‚als Ernährer‘ für das Einkommen und die ‚Außenkontakte‘ zuständig. Aufgrund einer Alkoholerkrankung ihrer Mutter fiel diese als primäre Bezugsperson häufig aus. Als Britta Dorsen im vierten Schuljahr eine Gymnasialempfehlung erhielt, musste sich ihr Klassenlehrer bei den Eltern für sie einsetzen, da diese eine Realschullaufbahn für ihre Tochter ‚als angemessen‘ ansahen. Anfang der 1980er-Jahre trat eine doppelte Krise auf. Einerseits ging Frau Dorsen, ohne das Ziel ‚Abitur‘ erreicht zu haben, vom Gymnasium ab, andererseits verließ sie im Alter von 17 Jahren ihr zerrüttetes Elternhaus. Um ihre Existenz abzusichern, absolvierte sie eine Lehre als Einzelhandelskauffrau und arbeitete danach fünf Jahre in diesem Beruf. Die nächste Lebensphase in den 1990er-Jahren wurde durch die Heirat und die Geburt von zwei Kindern markiert, lebensgeschichtlich vor allem aber dadurch, dass Frau Dorsen in der Ehe das mütterliche Rollenmuster übernahm, indem sie ihre Berufstätigkeit aufgab. Nach einigen Jahren der Ehe wurde diese geschieden – das dritte ‚biographische Scheitern‘. Mit über 30 Jahren griff sie nun, mit zwei kleinen Kindern, direkt auf ihr Aufstiegsprojekt qua Bildung zurück und absolvierte die Z-Prüfung sowie unmittelbar daran anschließend ein Lehramtsstudium für die Grundschule. In der sich anschließenden Berufstätigkeit stieg sie in der Hierarchie (Laufbahn) als verbeamtete Lehrerin nicht nur rasch auf, sondern sie nahm auch an einer Reihe von Weiterbildungsmaßnahmen teil, deren Umfang erheblich über ‚das übliche Maß‘ hinausging. Daraus erwuchs eine Erfolgsgeschichte, die sie sehr bewusst – ‚Schlag auf Schlag‘ – realisierte und die mit der Übernahme des Amtes der Rektorin an einer Grundschule sowie der 2020 erfolgten zweiten Heirat an ihr vorläufiges Ende kommt (Abb. 5.1).

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Britta Dorsen – „Da waren so viele Widrigkeiten, wo ich mich durchkämpfen musste“

  • Detlef Garz,
  • Frank Kotterer,
  • Sylke Bartmann,
  • Elisabeth Janssen,
  • Nicos Karydis,
  • Juhyeok Lee,
  • Olaf Zawacki-Richter

摘要

In diesem Kapitel wird die Biographie einer 1967 Jahre geborenen Frau, Britta Dorsen, vorgestellt, die in einem Mittelschichtmilieu als Einzelkind in einem Elternhaus ohne Bezug zur Großelterngeneration aufwuchs. Bedingt durch einen Umzug der Familie wurde sie im Alter von sieben Jahren aus ihrem schulischen Umfeld, in dem sie sich angenommen fühlte, sowie den Peergroups der Nachbarschaft, ‚herausgerissen‘. Die Familie orientiert sich an den Konventionen der Zeit: Die Mutter blieb zu Hause, der Vater war ‚als Ernährer‘ für das Einkommen und die ‚Außenkontakte‘ zuständig. Aufgrund einer Alkoholerkrankung ihrer Mutter fiel diese als primäre Bezugsperson häufig aus. Als Britta Dorsen im vierten Schuljahr eine Gymnasialempfehlung erhielt, musste sich ihr Klassenlehrer bei den Eltern für sie einsetzen, da diese eine Realschullaufbahn für ihre Tochter ‚als angemessen‘ ansahen. Anfang der 1980er-Jahre trat eine doppelte Krise auf. Einerseits ging Frau Dorsen, ohne das Ziel ‚Abitur‘ erreicht zu haben, vom Gymnasium ab, andererseits verließ sie im Alter von 17 Jahren ihr zerrüttetes Elternhaus. Um ihre Existenz abzusichern, absolvierte sie eine Lehre als Einzelhandelskauffrau und arbeitete danach fünf Jahre in diesem Beruf. Die nächste Lebensphase in den 1990er-Jahren wurde durch die Heirat und die Geburt von zwei Kindern markiert, lebensgeschichtlich vor allem aber dadurch, dass Frau Dorsen in der Ehe das mütterliche Rollenmuster übernahm, indem sie ihre Berufstätigkeit aufgab. Nach einigen Jahren der Ehe wurde diese geschieden – das dritte ‚biographische Scheitern‘. Mit über 30 Jahren griff sie nun, mit zwei kleinen Kindern, direkt auf ihr Aufstiegsprojekt qua Bildung zurück und absolvierte die Z-Prüfung sowie unmittelbar daran anschließend ein Lehramtsstudium für die Grundschule. In der sich anschließenden Berufstätigkeit stieg sie in der Hierarchie (Laufbahn) als verbeamtete Lehrerin nicht nur rasch auf, sondern sie nahm auch an einer Reihe von Weiterbildungsmaßnahmen teil, deren Umfang erheblich über ‚das übliche Maß‘ hinausging. Daraus erwuchs eine Erfolgsgeschichte, die sie sehr bewusst – ‚Schlag auf Schlag‘ – realisierte und die mit der Übernahme des Amtes der Rektorin an einer Grundschule sowie der 2020 erfolgten zweiten Heirat an ihr vorläufiges Ende kommt (Abb. 5.1).