In diesem Kapitel werden die Bestimmungsfaktoren der Preise für Erdöl, Erdgas und Steinkohle auf den internationalen Märkten sowie die Grundsätze der Preisbildung auf den Märkten für Öl, Kohle, Erdgas und Elektrizität in Deutschland dargestellt. Auf den weltweiten Energiemärkten kommt den Rohölpreisen nach wie vor eine Leitfunktion zu. Für die Versorgung Deutschlands mit Erdgas hatten in der Vergangenheit die Bezüge aus Russland eine dominierende Rolle gespielt. Es wird erläutert, wie der Preismechanismus dieser Lieferungen gestaltet war und ob es sich bei der Erzählung vom „billigen“ Erdgas aus Russland um einen Mythos oder um Realität handelt. Die Gründe für die Unterschiede, die bei den auf den Weltmärkten abgerufenen Preisen für Kesselkohlen und Kokskohlen bestehen, werden thematisiert. In Deutschland ist dem Wettbewerb sowohl in Form direkter Konkurrenz zwischen den Anbietern auf jedem einzelnen Energieteilmarkt als auch in Form des Substitutionswettbewerbs – in Bezug auf Höhe und Verlauf der Preise – ein maßgeblicher Stellenwert einzuräumen. Die Relevanz von Kosten und Preisen für Investitionsentscheidungen in Erzeugungsanlagen werden am Beispiel des Stromsektors erörtert. Die Turbulenzen auf den Energiemärkten im Jahr 2022 hatten zu bis dahin noch nie dagewesenen Steigerungen der Preise geführt. Davon waren – neben den Gas- und Kohlepreisen auf den internationalen Märkten – auch die Gas- und Strompreise in Deutschland stark betroffen. Das Merit-Order-Prinzip der Preisbildung auf dem Großhandelsmarkt für Strom wird vor diesem Hintergrund erklärt. Ferner wird der Einfluss der zunehmenden Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien auf die Preisbildung auf den Großhandelsmärkten für Strom dargelegt. Die Entwicklung der inländischen Verbraucherpreise vor allem für Erdgas und Strom ist im Einzelnen ausgewiesen. In einem abschließenden Abschnitt wird das in Deutschland herrschende Preisniveau einem internationalen Vergleich unterzogen.

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Preisbildung auf den Märkten für Öl, Steinkohle, Erdgas und Elektrizität

  • Hans-Wilhelm Schiffer

摘要

In diesem Kapitel werden die Bestimmungsfaktoren der Preise für Erdöl, Erdgas und Steinkohle auf den internationalen Märkten sowie die Grundsätze der Preisbildung auf den Märkten für Öl, Kohle, Erdgas und Elektrizität in Deutschland dargestellt. Auf den weltweiten Energiemärkten kommt den Rohölpreisen nach wie vor eine Leitfunktion zu. Für die Versorgung Deutschlands mit Erdgas hatten in der Vergangenheit die Bezüge aus Russland eine dominierende Rolle gespielt. Es wird erläutert, wie der Preismechanismus dieser Lieferungen gestaltet war und ob es sich bei der Erzählung vom „billigen“ Erdgas aus Russland um einen Mythos oder um Realität handelt. Die Gründe für die Unterschiede, die bei den auf den Weltmärkten abgerufenen Preisen für Kesselkohlen und Kokskohlen bestehen, werden thematisiert. In Deutschland ist dem Wettbewerb sowohl in Form direkter Konkurrenz zwischen den Anbietern auf jedem einzelnen Energieteilmarkt als auch in Form des Substitutionswettbewerbs – in Bezug auf Höhe und Verlauf der Preise – ein maßgeblicher Stellenwert einzuräumen. Die Relevanz von Kosten und Preisen für Investitionsentscheidungen in Erzeugungsanlagen werden am Beispiel des Stromsektors erörtert. Die Turbulenzen auf den Energiemärkten im Jahr 2022 hatten zu bis dahin noch nie dagewesenen Steigerungen der Preise geführt. Davon waren – neben den Gas- und Kohlepreisen auf den internationalen Märkten – auch die Gas- und Strompreise in Deutschland stark betroffen. Das Merit-Order-Prinzip der Preisbildung auf dem Großhandelsmarkt für Strom wird vor diesem Hintergrund erklärt. Ferner wird der Einfluss der zunehmenden Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien auf die Preisbildung auf den Großhandelsmärkten für Strom dargelegt. Die Entwicklung der inländischen Verbraucherpreise vor allem für Erdgas und Strom ist im Einzelnen ausgewiesen. In einem abschließenden Abschnitt wird das in Deutschland herrschende Preisniveau einem internationalen Vergleich unterzogen.