Sind Soldatinnen und Soldaten gute Staatsbürgerinnen und Staatsbürger? Der Einfluss militärischer Sozialisation auf politische Einstellungen und politisches Verhalten
摘要
Ziel dieses Beitrages ist eine Analyse des Einflusses militärischer Erfahrungen auf sechs staatsbürgerliche Orientierungen und die Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl in Deutschland vor dem Hintergrund der allgemeinen politischen Sozialisation, der Inneren Führung und der Politischen Bildung in der Bundeswehr. Insgesamt liefern die Analysen umfassende empirische Evidenz für die Relevanz militärischer Erfahrungen bei der Erklärung staatsbürgerlicher Orientierungen und politischer Partizipation. Unabhängig von der gewählten Operationalisierung zeigen sich bivariat stärker ausgeprägte staatsbürgerliche Orientierungen und eine höhere Wahlbeteiligung bei Personen mit militärischer Erfahrung. In den multivariaten Analysen ergeben sich auch unter Kontrolle soziodemografischer Eigenschaften und der sechs staatsbürgerlichen Orientierungen sowohl direkte (bei Verwendung der militärischen Erfahrung in den Analysen) als auch indirekte Effekte (für aktive Soldatinnen und Soldaten) auf die Wahlbeteiligung. Letztere werden über das politische Interesse und die Wahlnorm vermittelt. Die verschiedenen Analysen liefern – mit wenigen Ausnahmen – grundsätzlich positive Effekte. Das heißt, Erfahrungen in der Bundeswehr gehen mit einem höheren politischen Interesse, einer stärkeren internen Efficacy, einer größeren Demokratiezufriedenheit und einer umfassenderen Internalisierung der Wahlnorm sowie einer höheren Wahrscheinlichkeit zur Beteiligung an einer Bundestagswahl einher. Insgesamt sind also Soldatinnen und Soldaten bezogen auf die untersuchten Indikatoren gute Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Man könnte sogar so weit gehen zu sagen, dass sie gemessen an den gesetzlichen und rechtlichen Normen und Vorschriften sowie den verbreiteten Erwartungen sogar bessere Staatsbürgerinnen und Staatsbürger sind als militärisch ungediente Bürgerinnen und Bürger.