Feindbilder und soldatische Sozialisation: Betrachtungen zu einer ambivalenten Beziehung
摘要
In der Ausbildung, Erziehung und militärischen Sozialisation von Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr soll eine Feindbilderziehung ausdrücklich nicht stattfinden. Sind unsere Soldatinnen und Soldaten als Staatsbürger in Uniform deshalb frei von Feindbildern? Kann die zitierte normative Forderung tatsächlich eingelöst werden? Können Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr aufgrund ihrer Rückintegration in die Gesellschaft ggf. sogar wichtige Impulse für den Abbau von Feindbildern in der Zivilgesellschaft leisten? Eines bleibt gewiss: Die Bundeswehr hat einen Verteidigungsauftrag, der zunehmend auch an konkreten Bedrohungslagen orientiert ist. Es zeugt zwar von friedensethischer Verantwortung, wenn man damals wie heute von potenziellen möglichen oder realen Gegnern spricht, aber nicht von Feinden. Zugleich ist es aber eine Tatsache, dass für Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr und in Bezug auf deren Selbstverständnis das Wissen um die Gegnerschaft eines potenziellen Aggressors von nicht unerheblicher Bedeutung ist. Aus der Feindbildforschung wissen wir, dass aus potenziellen Gegnern bei konkreter Bedrohung und spätestens im Gefecht der Feind wird und bereits in der taktischen Lage das Feindlagebild berücksichtigt wird. Die Beziehung zwischen Feindbildern und soldatische Sozialisation wird in dem Beitrag eingehend untersucht.