Führen, Ausbilden – Erziehen? Eine kritisch-historische Reflexion aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive
摘要
In den aktuellen Debatten um die „Kriegstüchtigkeit“ der Bundeswehr erlebt „Erziehung“ als Auftrag des militärischen Vorgesetzten ein Revival. Gewähr dafür finden die Verfechter dieser Idee in den Gründungsdokumenten der Inneren Führung. Allerdings stand dieser Erziehungsauftrag von Beginn an zur Diskussion, und Baudissin selbst hatte sich später von einer Verwendung des Erziehungsbegriffs im Bundeswehrzusammenhang distanziert. Zudem verstand dieser unter Erziehung im Truppenkontext in erster Linie indirekte Erziehung, womit das Verständnis in unmittelbare Nähe zum Begriff der Sozialisation rückt. Damit einher geht eine Uneindeutigkeit und gar Beliebigkeit des bzw. der auch aktuell in der Bundeswehr verwendeten Erziehungsbegriff(e). Nicht nur dies wird im Folgenden problematisiert, sondern die grundlegende Historizität solcher wissenschaftlicher Leitkategorien aufgezeigt. Dies zu reflektieren könnte ein Ausgangspunkt sein für eine exaktere und v. a. verbindliche Definition von „Erziehung“ im militärischen Kontext – soll denn an dem Begriff festgehalten werden.