Von drei Welten über drei Landschaften und Intersubjektivität zur Emergenz der Gesellschaft – die Entwicklung eines quasi-ontologischen strukturellen Analyserahmens
摘要
Die Theorie der drei Welten von Karl Popper (Niemann 2019; Popper 1979, 1984, 2002, 2019 [1987]; Popper und Eccles 1977; Popper 1973) wurde verschiedentlich für die Raum- und Landschaftsforschung verfügbar gemacht (u. a.: Hard 2002; Koegst 2022; Kühne 2018c, 2020; Kühne und Berr 2021; Kühne und Jenal 2020c; Schafranek et al. 2006; Weber et al. 2024; Weichhart 1999; Werlen 1986, 1997; Zierhofer 1999), war jedoch – vor dem Hintergrund poststrukturalistischer Ansätze – auf ein Nischendasein beschränkt (Kühne 2023). Die Theorie der drei Welten ermöglicht einen abstrahierten Zugriff auf räumliche Vorstellungen und Konzepte, ohne dass deren Inhalte konkretisiert sein müssen. Vor dem Hintergrund der neopragmatischen Grundausrichtung unseres Buches hat die Drei-Welten-Theorie sowie die daraus folgenden Ableitungen der Theorie der drei Räume bzw. Landschaften die Funktion eines quasi-ontologischen Analysewerkzeuges. Quasi-ontologisch, weil ‚Wahrheit‘ im Neopragmatismus, wie bereits verdeutlicht, nur auf ein Vokabular beschränkt ist und nicht von diesem auf seine Umwelt bezogen werden kann, Analysewerkzeug, weil die Theorie ein Kategorisierungssystem schafft, mit Hilfe dessen Komplexität, Kompliziertheit und Kontingenz so weit geordnet werden können, dass Relationen nachvollziehbar werden. Dieses quasi-ontologische Analysewerkzeug hat sich in verschiedenen Studien, sowohl hinsichtlich theoretischer Überlegungen, aber auch hinsichtlich empirischer Zugriffe bewährt (unter anderem: Hinz et al. 2024; Kühne und Jenal 2020a, b; Kühne und Koegst 2023; Kühne et al. 2024b). Wir schließen in diesem Kapitel an den bis dato am weitesten reichenden Stand der Ausdifferenzierung der Theorie der drei Räume bzw. Landschaften an (Kühne et al. 2025). Darauf aufbauend, vollziehen wir eine Weiterentwicklung in Richtung einer Theorie, die nicht allein Intersubjektivität berücksichtigt, sondern auch Gesellschaftlichkeit. Hiermit bauen wir die Raum- und Landschaftstheorie zu einer Gesellschaftstheorie aus.