Bei großen öffentlichen Beschaffungsprojekten lassen sich häufig systematische Abweichungen zwischen den tatsächlich angefallenen Kosten und den vor Projektbeginn prognostizierten Kosten beobachten. Empirische Untersuchungen zu den Ursachen dieser Abweichungen identifizieren unter anderem eine unzureichende Kostenkultur bei öffentlichen Beschaffungsorganisationen und ihren Mitgliedern. Kostenkultur bezieht sich auf die gemeinsamen Werte und Normen bezüglich des Kostenverständnisses und der entscheidungsbezogenen Nutzung von Kosteninformationen. Eine starke Kostenkultur dient insbesondere bei langlaufenden Großprojekten als langfristiger Absicherungsmechanismus, der hilft, Kostenziele auch über sehr ausgedehnte Zeiträume hinweg und trotz wechselnder Verantwortlichkeiten und Personalwechsel zu realisieren. Die Konkretisierung von Kostenkultur erfolgt jedoch sehr unterschiedlich, sodass kein einheitliches Bild existiert, was Kostenkultur im Kern ausmacht. Dies erschwert die Ableitung von Maßnahmen zur Verbesserung der Kostenkultur und damit zur Reduzierung eines Teils der Kostenabweichungen in Zukunft. Der Beitrag identifiziert auf Basis einer konzeptionellen Konkretisierung vier zentrale Komponenten der Kostenkultur in einer regulierten Beschaffungsumgebung. Für die Komponenten 1) Führungsebene, 2) Gesetze und Richtlinien, 3) Lebenszykluskostenmanagement sowie 4) Organisationsmitglieder werden Gestaltungsfelder und konkrete Umsetzungsvorschläge dargelegt. Der Beitrag trägt zu einem besseren Verständnis der Kostenkultur bei und ermöglicht es Beschaffungsorganisationen, ihre Kostenkultur künftig gezielter zu adressieren und zu stärken.

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Kostenkultur in regulierten Beschaffungsumgebungen: Ein Ansatz für verlässlichere Beschaffungsentscheidungen mit Lebenszykluskosten?

  • Franziska Binder,
  • Christian von Deimling,
  • Michael Eßig

摘要

Bei großen öffentlichen Beschaffungsprojekten lassen sich häufig systematische Abweichungen zwischen den tatsächlich angefallenen Kosten und den vor Projektbeginn prognostizierten Kosten beobachten. Empirische Untersuchungen zu den Ursachen dieser Abweichungen identifizieren unter anderem eine unzureichende Kostenkultur bei öffentlichen Beschaffungsorganisationen und ihren Mitgliedern. Kostenkultur bezieht sich auf die gemeinsamen Werte und Normen bezüglich des Kostenverständnisses und der entscheidungsbezogenen Nutzung von Kosteninformationen. Eine starke Kostenkultur dient insbesondere bei langlaufenden Großprojekten als langfristiger Absicherungsmechanismus, der hilft, Kostenziele auch über sehr ausgedehnte Zeiträume hinweg und trotz wechselnder Verantwortlichkeiten und Personalwechsel zu realisieren. Die Konkretisierung von Kostenkultur erfolgt jedoch sehr unterschiedlich, sodass kein einheitliches Bild existiert, was Kostenkultur im Kern ausmacht. Dies erschwert die Ableitung von Maßnahmen zur Verbesserung der Kostenkultur und damit zur Reduzierung eines Teils der Kostenabweichungen in Zukunft. Der Beitrag identifiziert auf Basis einer konzeptionellen Konkretisierung vier zentrale Komponenten der Kostenkultur in einer regulierten Beschaffungsumgebung. Für die Komponenten 1) Führungsebene, 2) Gesetze und Richtlinien, 3) Lebenszykluskostenmanagement sowie 4) Organisationsmitglieder werden Gestaltungsfelder und konkrete Umsetzungsvorschläge dargelegt. Der Beitrag trägt zu einem besseren Verständnis der Kostenkultur bei und ermöglicht es Beschaffungsorganisationen, ihre Kostenkultur künftig gezielter zu adressieren und zu stärken.