Dieser Beitrag zeigt auf, wie die Migrationspolitik in ihrem Expansionsbestreben immer mehr gesellschaftliche Bereiche reglementieren will. Sie dringt zunehmend in das Gesundheitswesen ein und wirkt über die Instrumente des Gesundheitsschutzes auf die kranken und leidenden Körper von Menschen ohne Papiere oder mit prekärem Aufenthaltsstatus ein. Personengruppen wie Asylsuchende, mittellose EU-Bürger:innen, Menschen mit Duldung oder ohne Papiere etc. haben nur eingeschränkten Zugang zum öffentlichen Gesundheitssystem oder sind davon ganz ausgeschlossen. Der differenzierte Zugang zur Gesundheitsversorgung einschl. spezifischer Zugangsbeschränkungen und -hindernisse nach Kriterien, die auf dem Aufenthaltsstatus basieren, ermöglicht eine Form der biopolitischen Kontrolle der Migration. In diesem Beitrag werden einige Mechanismen und Auswirkungen der biopolitischen Machtausübung der Migrationspolitik in Frankreich und Deutschland anhand von zwei ethnografischen Studien skizziert. In einem ersten Schritt werden die formellen Mechanismen der Migrationsbiopolitik (z. B. die Kriterien für den Ein- bzw. Ausschluss aus den Krankenversicherungssystemen) dargestellt, die als Migrationsbiopolitik „von oben“ bezeichnet werden. Nachfolgend werden Beispiele für die Migrationsbiopolitik „von unten“ angeführt, die die Akteur:innen vor Ort in den betrachteten Versorgungssystemen (Ärzt:innen, Sozialarbeiter:innen, Freiwillige) ausführen. Das empirische Material wurde im Rahmen von zwei qualitativen sozialwissenschaftlichen Forschungsarbeiten – eine in Frankreich und eine in Deutschland – zusammengetragen, die sich mit dem Thema des Zugangs zur Gesundheitsversorgung für Menschen ohne oder unzureichenden Krankenschutz befassten.

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Die Konstruktion einer Migrationsbiopolitik durch die medizinische Versorgung prekarisierter Migrant:innen. Beispiele aus Frankreich und Deutschland

  • Jérémy Geeraert

摘要

Dieser Beitrag zeigt auf, wie die Migrationspolitik in ihrem Expansionsbestreben immer mehr gesellschaftliche Bereiche reglementieren will. Sie dringt zunehmend in das Gesundheitswesen ein und wirkt über die Instrumente des Gesundheitsschutzes auf die kranken und leidenden Körper von Menschen ohne Papiere oder mit prekärem Aufenthaltsstatus ein. Personengruppen wie Asylsuchende, mittellose EU-Bürger:innen, Menschen mit Duldung oder ohne Papiere etc. haben nur eingeschränkten Zugang zum öffentlichen Gesundheitssystem oder sind davon ganz ausgeschlossen. Der differenzierte Zugang zur Gesundheitsversorgung einschl. spezifischer Zugangsbeschränkungen und -hindernisse nach Kriterien, die auf dem Aufenthaltsstatus basieren, ermöglicht eine Form der biopolitischen Kontrolle der Migration. In diesem Beitrag werden einige Mechanismen und Auswirkungen der biopolitischen Machtausübung der Migrationspolitik in Frankreich und Deutschland anhand von zwei ethnografischen Studien skizziert. In einem ersten Schritt werden die formellen Mechanismen der Migrationsbiopolitik (z. B. die Kriterien für den Ein- bzw. Ausschluss aus den Krankenversicherungssystemen) dargestellt, die als Migrationsbiopolitik „von oben“ bezeichnet werden. Nachfolgend werden Beispiele für die Migrationsbiopolitik „von unten“ angeführt, die die Akteur:innen vor Ort in den betrachteten Versorgungssystemen (Ärzt:innen, Sozialarbeiter:innen, Freiwillige) ausführen. Das empirische Material wurde im Rahmen von zwei qualitativen sozialwissenschaftlichen Forschungsarbeiten – eine in Frankreich und eine in Deutschland – zusammengetragen, die sich mit dem Thema des Zugangs zur Gesundheitsversorgung für Menschen ohne oder unzureichenden Krankenschutz befassten.