Zwischen Erkenntnis und Lücke: Forschung zur Gesundheitsversorgung von Menschen ohne Papiere in Deutschland – Ausgewählte Ergebnisse eines Scoping Reviews
摘要
Eine systematische Literaturrecherche, durchgeführt im Rahmen der Bundesarbeitsgruppe Gesundheit/Illegalität, zeigt die Forschungslücken zur Gesundheitsversorgung von Menschen ohne Papiere auf. Ziel war es, die fachpolitische Community durch eine fundierte Wissensbasis zu unterstützen. Mithilfe eines Scoping Reviews wurden 2686 Titel gesichtet, von denen 80 analysiert wurden. Für die vorliegende Teilauswertung wurden die Studien daraufhin analysiert, a) welche Forschungsmethoden und Publikationsformen sich finden und b) welche Forschungslücken in ihnen explizit formuliert wurden. Forschungsdesiderate in den Studien umfassen die Bereiche soziodemographischer und epidemiologischer Grundlagen, Versorgungsansätze sowie Rahmenbedingungen der Versorgung. Empfehlenswert scheinen Langzeitstudien, die den Gesundheitszustand und die Versorgungswege von Menschen ohne Papiere dokumentieren sowie Unterschiede zu versicherten Migrant:innen analysieren. Zudem ist eine Evaluation niedrigschwelliger Angebote erforderlich, um deren Effektivität und übertragbare Praxisbeispiele zu identifizieren. Auch die Perspektiven von Menschen ohne Papiere selbst werden in der gefundenen Literatur wenig bis gar nicht mit einbezogen und stellt somit eine wesentliche Forschungslücke dar. Desweiteren sind Studien zu rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen notwendig, die den Zugang zu Gesundheitsdiensten beeinflussen. Exemplarisch werden zwei Studien vorgestellt, um beispielhaft zu illustrieren, wie zukünftige Forschung zum Thema ausgerichtet werden könnte: ein Vergleich zwischen einer gesetzlich versicherten Studienpopulation mit Patient:innen einer Anlaufstelle von Menschen ohne Krankenversicherung (Lotty et al., 2015) sowie eine Studie zum Versorgungsbereich Palliativmedizin aus der Perspektive von Fachkräften aus dem Gesundheitswesen (Schwerdt, J. M. 2023).