Das Konzept Anonymer Krankenschein – neue Form der Humanitären Hilfe oder Chance für eine gesicherte Gesundheitsversorgung?
摘要
Mit dem Konzept „Anonymer Krankenschein“ (AKS) wird beabsichtigt, die Hürden zur medizinischen Versorgung für Menschen ohne Krankenversicherung zu senken und in einem definierten Rahmen sicherzustellen. Ähnlich einer Gesundheitskarte regelt ein AKS die Kostenübernahme und Abrechnungswege. Die Nutzer:innen erhalten eine (zahn-)ärztliche Versorgung und müssen nicht befürchten, dass sie abgewiesen oder gemeldet werden. Am Beispiel des Modellprojekts AKS in Niedersachsen für Menschen ohne definierten Aufenthaltsstatus, das von 2015 bis 2018 durchgeführt wurde, werden in diesem Beitrag Implikationen und Auswirkungen der Einführung eines AKS auf die Versorgungssituation dargestellt und diskutiert. So zeigte sich nach Einführung des AKS eine zunehmende Inanspruchnahme der Versorgungsstruktur. (Zahn-)Ärzt:innen wurden durch den AKS von einer Unterscheidung der Leistungszumessung befreit. Deutlich wurde aber auch, dass sich die Bewertungen des AKS – in der Kontroverse zwischen Sicherstellung des Menschenrechts auf Gesundheit, notwendiger medizinischer Versorgung, monetären Aspekten bis hin zur Migrationsabwehr – deutlich unterscheiden. Mit einer fehlenden gesetzlichen Verankerung unterliegt die Gesundheitsversorgung auch im Rahmen des AKS, ähnlich der Tätigkeit von Hilfsorganisationen, kurzfristigen und willkürlichen (politischen oder Verwaltungs-)Entscheidungen. AKS-Initiativen können allerdings in ihrem definierten Rahmen eine bessere Versorgungssicherheit bieten und die Akzeptanz strukturell verankerter Angebote für Nichtkrankenversicherte steigern.