Einleitung
摘要
Eine Krise, ausgelöst durch einen Krieg oder eine Pandemie, ist eine gesellschaftliche Ausnahmesituation, die auch dorthin reicht und wirkt, wo das bewusste Alltägliche pausiert und dem nächtlichen Unbewussten Platz macht, dort, wo die vermeintlich individuelle Intim- und Privatsphäre schlechthin regiert. Schon in den ersten berühmten Traumdeutungen der Spätantike, durch Artemidor von Daldis war ein starker Bezug zum gesellschaftlichen oder wenigstens gemeinschaftlichen Rahmen des Oikos enthalten. Was der nächtliche Traum für eine Gesellschaft und das in ihr agierende Subjekt bedeutet, welche Erwartungen und Anrufungen an dieses gerichtet werden, hängt der modernen Auffassung nach von sozialen Werten, Normen und Tabus ab. Andersherum geben die Träume der Einzelnen, aber vor allem die Handreichungen zum Umgang mit ihnen Hinweise auf eben jene spezifische Gesellschaftsformation. So lautet die im Zentrum der vorliegenden kultursoziologischen Annäherung stehende Frage: Was vermag der Traum, der ja von Person zu Person von Nacht zu Nacht unterschiedlich ist, dennoch über die Gesellschaft auszusagen, in der er entsteht? Was ist also das Soziale des Träumens?