Krisenbewältigung unter Zeitdruck
摘要
Krisen gehen ‚natürlicherweise‘ mit einem bestimmten Zeitdruck zu ihrer Lösung einher. Die Corona-Pandemie hat dies so eindrücklich wie lange kein Ereignis mehr gesamtgesellschaftlich deutlich gemacht. Zeit und insbesondere Knappheit von Zeit hat dabei im Prozess kollektiver Problemlösung eine desorganisierende Wirkung. Die Frage lautet jetzt, wie genau die desorganisierende Wirkung von Zeitdruck sich konstituiert und mit welchen Folgen sie sich in Krisen äußert. Es zeigt sich, dass eine Diskussion des Einflusses von Zeitdruck auf Krisen sich nicht auf die unmittelbar richtige Einsicht beschränkt, dass Zeitdruck sich negativ auf die Qualität und die Ergebnisse von Entscheidungs- und Lernprozessen auswirkt, was für sich genommen schon die Krisenbewältigung unter Zeitdruck beeinträchtigt. Dass Zeitdruck die verfügbare Lernzeit einschränkt und deshalb jede Krisenbewältigung schwerer macht, erscheint trivial. Dass dies in doppelt problematischem Verhältnis zu der normalerweise auch noch gesteigerten Komplexität von Krisenproblemen steht, ebenfalls. Krisen bedeuten also die Kombination mehrfach komplexer Probleme mit einer verkürzten Lösungszeit. Vielmehr verändert Zeitdruck grundlegend und nachhaltig die sozialen Strukturen des Lernens und des Entscheidens, sodass sich eine fundamentalere Ebene negativen Einflusses von Zeitdruck auf Krisenbewältigung ergibt. Die entscheidende Einsicht ist, dass Zeitdruck sich qualitativ und auf eine eigene Art auf die Strukturen auswirkt, auf der jegliche kollektive Problemlösung beruht. Es zeigt sich vor allem, dass die negativen Effekte von Zeitdruck auf Krisenbewältigung davon abhängen, ob ihnen durch bestimmte Formen der Grenzbeziehungsarbeit entgegengewirkt wird.